Ein Zerrbild und die Wirklichkeit

von Redaktion

Nato-Gipfel in Ankara

Fußball und Bündnistreue haben rein gar nichts miteinander zu tun. Oder doch? Kurz vor dem Nato-Gipfel in Ankara warf Belgien WM-Gastgeber USA raus, für dessen Siegchancen der US-Präsident selbst beim Fifa-Boss lobbyiert hatte. In Ankara mussten sie also mit einem übellaunigen Trump rechnen. Und was soll man sagen: Er kam und rumpelte das böse Europa an, wegen Iran und überhaupt.

Auch wenn mal wieder Geschlossenheit beschworen wird: Ernsthaft daran glauben kann niemand mehr. Fortschritt: Trumps Stimmungsschwankungen sind eingepreist, lösen kaum mehr Schocks aus. Tatsächlich haben sich die anderen „Partner“ damit abgefunden, dass es keinen Weg zurück gibt. Ergebnis: Die übrigen Nato-Staaten organisieren sich zunehmend um die USA herum.

Das ist nicht nur bei der Ukraine-Unterstützung so, die fast ohne Washington auskommt, sondern auch auf anderem Gebiet: Gerade hat Kanada einen Milliarden-Auftrag für deutsche U-Boote zugesagt, die Nato kauft ihrerseits Aufklärungsjets aus Kanada statt aus den USA. Clevere Signale an den gewinnfixierten Trump, an dem die einträglichen Geschäfte völlig vorbeigehen.

Niemand in der Nato hat ein Interesse daran, die USA loszuwerden. Aber hinter dem Zerrbild der Einheit scheinen sich Europa und Kanada neu zu sortieren. Auf Dauer nimmt das Trumps Drohungen, die Nato zu sprengen, den Schrecken. Gut so.

Artikel 1 von 11