Partner in Übersee: Kanadas Premier Mark Carney. © dpa
München/Ankara – Beim Nato-Gipfel in Ankara wurden zwei Riesen-Rüstungsprojekte bekannt, mit denen sich Europa und Kanada von der US-Abhängigkeit lösen: Die Nato setzt bei der Erneuerung ihrer in Deutschland stationierten Flotte von Awacs-Aufklärungsflugzeugen nicht wie ursprünglich geplant auf US-Maschinen. Wie Generalsekretär Mark Rutte am Rande des Gipfeltreffens in Ankara ankündigte, sollen künftig Flugzeuge des kanadischen Herstellers Bombardier genutzt werden, die mit dem Aufklärungs- und Frühwarnsystem GlobalEye des schwedischen Rüstungskonzerns Saab ausgerüstet sind.
Zuvor schon hatte Kanada bekannt gegeben, dass es eine neue U-Boot-Flotte vom deutschen Hersteller TKMS bauen lässt. Das deutsche Unternehmen sprach vom größten Einzelauftrag in seiner Geschichte. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, vor dem Nato-Gipfel habe die kanadische Regierung „ein starkes Zeichen der transatlantischen und europäischen Zusammenarbeit in der Verteidigungsindustrie“ gesetzt.
TKMS setzte sich damit gegen den südkoreanischen Konkurrenten Hanwha Ocean durch, der ebenfalls um den Auftrag gebuhlt hatte. Ausschlaggebend für die Wahl von TKMS als Lieferanten war dabei nach Experteneinschätzung insbesondere der Nato-Aspekt: TKMS habe wahrscheinlich von Anfang an „die Nase vorn“ gehabt, weil Carney eine Partnerschaft mit einem europäischen Nato-Verbündeten angestrebt habe, sagte der Verteidigungsexperte Wesley Wark vom Centre for International Governance Innovation.
Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, sagte im ZDF-„Morgenmagazin“, Trump wolle, dass die Europäer zusätzliches Geld für Verteidigung möglichst in den USA ausgeben, es müsse aber auch „in Kiel oder bei Firmen in Bayern oder in Frankreich oder in Spanien landen und nicht mehr nur in den USA“, erläuterte er. „Mehr Resilienz“ heiße auch „mehr Industrieproduktion für die Rüstung in Europa“.
Mit den USA wurde vereinbart, dass europäische Unternehmen verstärkt US-Waffensysteme herstellen sollen, um die Knappheit bei Flugabwehrraketen zu mindern. Dazu solle mit Partnern die Produktion von Raketen des Typs AMRAAM ausgeweitet und für PAC3-Lenkflugkörper des Flugabwehrsystems Patriot ein Wartungszentrum in Europa geschaffen werden. Den Auftrag soll voraussichtlich Rheinmetall erhalten.
US-Präsident Donald Trump kam mit neuer Kritik – unter anderem an den „lächerlichen“ Rüstungsinvestitionen Deutschlands – zum Nato-Gipfel. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) konterte: „Wir übertreffen bei unseren Ausgaben viele unserer Partner.“KLAUS RIMPEL