INTERVIEW

„Es ist falsch, bei jungen Familien zu sparen“

von Redaktion

Bayerns JU-Chef Manuel Knoll warnt Union und SPD vor einer unfairen Verteilung der Reformlast

München – Manuel Knoll (35) ist der Chef der Jungen Union in Bayern. Im Gespräch fordert der CSU-Landtagsabgeordnete eine fairere Lastenverteilung zwischen den Generationen.

Herr Knoll, die schwarz-rote Koalition will das Land mit Reformen wieder wettbewerbsfähiger machen. Es muss auch gespart werden – inzwischen zeichnet sich immer deutlicher ab, wo und wie. Wird die Last aus Ihrer Sicht fair verteilt?

Es ist gut, dass nun aus der politischen Mitte heraus wichtige Reformen in Gang kommen, von denen am Ende hoffentlich alle Generationen profitieren. Die Vorschläge, die die Rentenkommission kürzlich gemacht hat, sind als Gesamtpaket sehr gut. Ich gehe nun davon aus, dass sie auch von allen Partnern genau so umgesetzt werden.

Gleichzeitig wird etwa die Bezugsdauer beim Elterngeld eingeschränkt, aber die Ausweitung der Mütterrente im Januar steht nicht zur Debatte. Werden junge Generationen unverhältnismäßig stark belastet?

Das werden sie ohnehin schon durch den demografischen Wandel, der jüngere Jahrgänge besonders hart treffen wird – nicht nur mit Blick auf die Rente, sondern auch durch steigende Kosten für Gesundheit und Pflege. Wenn man das schon weiß, ist es doch falsch, ausgerechnet bei jungen Familien zu sparen. Ich sehe es deshalb sehr kritisch, gerade sie mit einer Straffung beim Elterngeld noch stärker unter Druck zu setzen. Im Gegenteil: Man müsste junge Familien stärker unterstützen, um mit einer kinderfreundlichen Gesellschaft die Basis zu schaffen, dass sich unsere Altersstruktur langfristig durch höhere Geburtenzahlen wieder verbessert.

Für Studenten könnte es ebenfalls schwieriger werden: Die Union samt Ihrer CSU steht bei der versprochenen Bafög-Erhöhung bisher auf der Bremse …

Der Koalitionsvertrag muss hier gelten, das ist die Erwartung der jungen Generation. Die vereinbarte und dringend nötige Erhöhung einfach wegzusparen ist falsch. Gute Bildung ist einer der wenigen Rohstoffe, die wir in Deutschland haben. Natürlich muss man darauf achten, dass das Bafög nicht missbraucht wird. Aber die Koalition muss ein klares Signal setzen, dass wir hinter denjenigen stehen, die in Deutschland ein Studium absolvieren.

Wo sollte stattdessen gespart werden?

Ich war nie ein großer Fan davon, Sozialleistungen auszuweiten, in der aktuellen Lage erst recht nicht. In diesem Sinne habe ich mich auch schon bei der Debatte zur Mütterrente klar geäußert. Ich möchte jetzt aber dieses Fass nicht noch einmal aufmachen, das Gesamtpaket steht. Es geht mir vielmehr darum, dass die Bundesregierung insgesamt der jüngeren Generation ein besseres Angebot macht. Es muss überall gespart werden, aber die Last muss dabei in der Summe fair verteilt werden. Das ist entscheidend für die Akzeptanz. Aber vor allem müssen sich junge Menschen und Familien in diesem Land auch in Zukunft wohlfühlen, weil sie gute Perspektiven und Chancen haben. Das ist das Wichtigste.

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