Kampf um die Zukunft einer Industrie
Sparpläne bei Volkswagen
Der Volkswagen-Konzern will seinen Sparkurs drastisch verschärfen: 2031 soll die Produktion in Emden und Zwickau auslaufen, ein Jahr später soll das Nutzfahrzeugwerk Hannover zusperren, 2034 das Audi-Werk Neckarsulm. Die Schließungen würden 40.000 Menschen treffen. Hinzu kommen weitere 50.000 Jobs, die Konzernchef Oliver Blume bis 2030 streichen will. Dass der Vorstand damit den Zorn der Gewerkschaften auf sich zieht, braucht ihn nicht zu wundern.
Schon die Kommunikation war missglückt: Statt mit Arbeitnehmervertretern das Gespräch zu suchen, waren die Sparpläne noch vor der gestrigen Aufsichtsratssitzung an die Presse durchgesickert. Möglicherweise ein Versuch des Managements, schon einmal vorzufühlen, welche Härten man der Belegschaft zumuten kann. Oder ein Unterfangen, die Werke gegeneinander auszuspielen – der Audi-Standort Ingolstadt könnte schließlich von einer Werksschließung in Neckarsulm profitieren. Die IG Metall hat reagiert: An den Werkstoren der Konzerntöchter MAN in München und Audi in Ingolstadt machten gestern Arbeitnehmervertreter ihrem Ärger Luft. Die Botschaft an den Vorstand: Die Reihen sind geschlossen, wenn ihr eure Pläne wirklich umsetzt, zünden wir die nächste Eskalationsstufe – etwa Massenproteste. Setzen sich die Konfliktparteien jetzt nicht an einen Tisch, steht Deutschland womöglich vor einem harten Kampf um die Zukunft einer Schlüsselindustrie.