Der Juni 2026 war mit einer Tag-und-Nacht-Durchschnittstemperatur von 20,74 Grad der heißeste seit Beginn der Aufzeichnungen in Westeuropa. Wir alle haben uns seit Jahren an derlei Alarmrufe gewöhnt, viele wollen gar nicht mehr hinhören. Doch die Hitzeglocke mit 40 Grad und mehr, die sich Ende Juni und Anfang Juli über Deutschland wölbte, war anders, war neu und beängstigend. Statistiker haben nun festgestellt: Nie sind in einer Sommerwoche mehr Menschen in Deutschland gestorben. Das RKI beziffert die Zahl der Juni-Hitzetoten mit 5100. Es ist nur die Spitze des Eisbergs, da Mediziner bei alten Menschen oft Begleiterkrankungen als Todesursache melden.
Gemessen an der Katastrophe, die sich da zehntausendfach im Stillen abspielte, war die öffentliche Debatte erstaunlich gedämpft. Wer in den mörderischen Hitzetagen nicht gerade die eigene Mutter oder den Vater im Altenheim besuchte und dort leiden sah, war damit beschäftigt, sich selbst Kühlung zu verschaffen. Die Regierung war mit anderen Themen in Beschlag genommen, vor allem dem eigenen Überleben. Und die Medien wandten sich nach den üblichen Aufrufen, genug zu trinken, rasch wieder anderen Themen zu. Nur die Grünen forderten ein „Abkühl-Sofortprogramm“, also Klimaanlagen für Kliniken, Alten- und Pflegeheime, Kitas und Schulen. Das war richtig, doch auch diesmal konnten die Grünen ihre alten Reflexe nicht ganz zügeln: Profitieren soll von einem Förderprogramm nur, wer Solaranlagen aufs Dach baut, um daraus die Energie für die Kühlgeräte zu produzieren. Und wenn das, warum auch immer, nicht möglich ist?
Weltweit haben sich Länder aufgemacht, die Ursachen des Klimawandels zu bekämpfen. Doch kümmert sich die Politik bei uns zu wenig darum, wie man ihn für die Menschen erträglicher gestalten kann. Länder wie Griechenland, Italien oder Spanien bieten überall kühle Oasen, in Cafés, öffentlichen Räumen oder heimischen Wohnungen. Das fehlt nördlich der Alpen, wo man sich lange sicher fühlte vor den Auswirkungen der Erderwärmung. Auch Deutschland muss fit werden für den Klimawandel – und die Frage, wie man das Leben mit sommerlichen Hitzewellen erträglicher macht, auf der Prioritätenliste dahin setzen, wo sie hingehört: weit nach oben.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET