Dass der Staat die Lohnnebenkosten nicht weiter steigen lassen will, ist nachvollziehbar. Aber bei all den Spar-Ideen muss Schwarz-Rot im Auge behalten, dass allzu einseitige Kürzungen Nebeneffekte mit sich bringen, die die Gesellschaft am Ende teuer bezahlen muss. Der neuerliche Angriff auf die Psychotherapeuten-Honorare, die ohnehin nur ein Prozent der Gesundheitskosten ausmachen, ist ein Paradebeispiel für solch ein Sparen am falschen Ort. Seit Jahren wird darüber diskutiert, dass die von Kanzler Merz so gern beklagten Krankentage auch deshalb so zunehmen, weil immer mehr Berufstätige durch den Druck im Job und in der Krisen-Welt psychisch erkranken.
Die absurde Antwort von Schwarz-Rot auf diese Herausforderung ist, dass mit immer neuen Angriffen auf Therapeuten-Honorare noch mehr Praxen sich auf Privatpatienten konzentrieren müssen oder ganz schließen werden.
Nina Warkens Plan, Psychotherapeuten bei den Honorar-Regeln Ärzten gleichzustellen, ist unsinnig, weil Ärzte viele Patienten durchschleusen können. Therapeuten hingegen müssen sich fürs Gespräch Zeit nehmen, eine Behandlungsdauer von 50 Minuten pro Patient ist vorgeschrieben – das lässt sich nicht wirtschaftlich rationalisieren.
Auch von der Vorgehensweise her sind die Einschnitte fragwürdig: Nur fünf Tage vor der Bundestagsabstimmung wurde das Reformpaket erweitert – klammheimlich, ohne Debatten mit den Betroffenen. Einzelne Unions- und SPD-Politiker versprechen Nachbesserungen – was dringend notwendig ist, denn suizidgefährdete Menschen und verzweifelte Familien von Suchtkranken brauchen bessere Hilfe, nicht weitere Verschlechterungen.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET