„Geld? Wird nicht da sein.“ Stefan Evers ist der neue CDU-Spitzenkandidat in Berlin. © Annette Riedl/dpa
Berlin/München – Vor ein paar Wochen noch reagierte Stefan Evers eher brummelig, wenn man ihn auf seine Karrierepläne ansprach. Ob es ihn schmeichle, als möglicher Nachfolger für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner gehandelt zu werden, wurde der 46-Jährige noch im Mai vom RBB gefragt. „Mich nervt‘s“, antwortete er knapp.
Nun ja: Er scheint sich an den Gedanken gewöhnt zu haben, gewöhnen zu müssen. Der Fall tritt nämlich ein. Wegner stürzt über seine Tennis-Affäre, also den Versuch, sein Sportstündchen mit der Freundin während der schweren Stromausfall-Krise Anfang Januar zu vertuschen. Wegner verzichtet zwei Monate vor der Wahl (nicht ganz freiwillig) auf die Spitzenkandidatur. Evers, bisher in Doppelfunktion Finanz- und Kultursenator, ist von den mächtigen Kreisvorsitzenden der Berliner CDU als Spitzenkandidat inthronisiert worden. Und als kommissarischer Landespartei-Chef.
Evers‘ „Nervt“-Satz war kein Hinweis auf Karriereunlust, eher der Versuch, so lange wie möglich loyal zu Wegner zu stehen. Beide galten als Vertraute, die sich auch Kritisches intern sagten, aber eben nur intern. In einem „FAZ“-Interview deutet Evers nun an, er habe Wegner schon im Frühjahr seine schwierige Lage und die miesen Umfragen klargemacht. „Ein guter Ratgeber gibt seine Ratschläge hinter verschlossenen Türen und stellt sich hinter die getroffene Entscheidung“, sagt der 46-Jährige. Er betont aber auch: „Mit meiner Kandidatur beginnt ein neues Kapitel. Ich habe meinen eigenen Kopf und meinen eigenen Stil.“
Weiter-so wäre auch keine gute Idee. Die Lage der CDU in der Hauptstadt ist desaströs. Die Koalition mit der SPD läuft noch bis Herbst, gewählt wird am 20. September. In der jüngsten, als seriös geltenden Infratest-dimap-Umfrage liegt die Linkspartei mit 20 Prozent vorn, gefolgt von Grünen (19), AfD (18), CDU (17), SPD (13), BSW und FDP (je 3). Wie soll daraus eine Regierung werden?
„Ich werde alles tun, eine links-grüne Regierung in Berlin zu verhindern“, gelobt Evers. Sich beschreibt er als „modernen Konservativen“, manche sehen in ihm einen Liberalen. Er ist mit einem Mann verheiratet, will aber kein Aufhebens um sein Privatleben machen. Bei Sicherheit und Ordnung setzt er auf stramme Töne, wissend, was viele Berliner tatsächlich nervt: „Die zunehmende Vermüllung ist inakzeptabel“, sagt er, droht „drastische Bußgelder“ an und mehr Kontrollen. Gegenüber der FAZ brachte er auch die populäre Forderung mal wieder auf, Sozialhilfe-Empfänger zu Arbeiten zu verpflichten. „Wer staatliche Leistungen erhält und arbeiten kann, sollte der Gemeinschaft auch etwas zurückgeben – zum Beispiel, indem er dabei hilft, Berlin sauber zu halten.“
Aufgewachsen ist Evers eigentlich in Paderborn, kam aber vor zwei Jahrzehnten in die Stadt. Polit-Erfahrung sammelte er dann schnell und reichlich: 15 Jahre Abgeordnetenhaus (also der Landtag von Berlin), in der Partei das Amt als Generalsekretär. Wegner machte ihn 2023 zum Finanzsenator, vor einem Vierteljahr zudem zum Kultursenator. Was, ein Sparkommissar als oberster Kulturchef? „Faust und Mephisto in einer Person“, tobte die örtliche Kulturszene, ohnehin nicht CDU-geneigt.
Evers fiel (bisher) nicht durch Einschnitte auf. Aber als Finanzsenator, also Herr der Berliner Milliardenschulden, kennt er die desaströse Finanzlage der Stadt, die nur am Tropf des Länderfinanzausgleichs überlebt. Und weiß, dass er die politische Wende für die CDU nicht mit prallen, teuren Versprechungen schaffen wird. Unlängst sagte er selbst: „Glauben Sie keinem, der irgendwas verspricht, was zusätzliches Geld kostet. Ich kann mit Sicherheit versprechen, dass es nicht da sein wird.“