Es war noch nie so einfach, den Dienst an der Waffe zu verweigern. Gewissensgründe formulieren, persönlichen Brief, im KI-Zeitalter dauert das zwei Minuten, der Weg zum Briefkasten bereits eingerechnet. Das, dazu die Debatte um die aktuelle Bisschen-Wehrpflicht und die angespannte Sicherheitslage führen zum sprunghaften Anstieg der Verweigerer. Wer sie pauschal als Drückeberger schmäht, tut zumindest einem Teil Unrecht, der sich vielleicht wirklich Gedanken gemacht und Gewissensgründe abgewogen hat. Zu verweigern ist ein Grundrecht.
Umso schwerer wiegt, dass die Politik zwar den schweren Fehler des Wehrpflicht-Aus 2011 langsam zurückdreht, aber kein tragfähiges Konzept für einen Zivildienst hat. Ein mehrmonatiger Ersatzdienst im Sozialen, in Gemeinschaftsdiensten und auch in ökologischen Projekten sollte wieder Pflicht werden. Kliniken, Pflege, Dienste wie THW, Feuerwehr können helfende Hände dringend brauchen in Zeiten bröckelnden Zusammenhalts. Ja, gerade auch von Laien! Übrigens gehört das auch zur Resilienz eines Staates.
Die Grundgesetzlage, noch ein Riesendefizit, gäbe das aktuell nur für Männer her. Für junge Männer wie Frauen gilt: Ein Zivildienst wäre auch persönlich keine verlorene Zeit, sondern ein Gewinn an Erfahrung, eine Chance zur Berufsorientierung und ein dickes Stück Persönlichkeitsentwicklung. Die Zivi-Debatte der Politik hatte, siehe Gesellschaftsjahr, kluge Ansätze. Schade, dass das eingeschlafen ist.CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET