Eine Pflegerin (l) und eine Heimbewohnerin schauen zusammen aus einem Fenster im Pflegeheim. © Weller/dpa
München – Die Pflege im Heim wird immer teurer. Mit Stand 1. Juli waren im ersten Jahr im Heim im bundesweiten Schnitt 3364 Euro im Monat aus eigener Tasche fällig – monatlich 119 Euro mehr als zu Jahresbeginn und 256 Euro mehr als zum 1. Juli 2025, wie eine Auswertung der Ersatzkassen ergab.
Im Ländervergleich am teuersten war die Pflege im ersten Jahr im Heim in Bremen mit nun durchschnittlich 3761 Euro und im Saarland mit 3695 Euro pro Monat. In Bayern liegt der Eigenanteil im landesweiten Schnitt bei 3270 Euro im Monat. Damit kletterten die Zuzahlungen monatlich um 176 Euro im Vergleich zum 1. Juli 2025. Nur in Sachsen-Anhalt lag die Belastung mit im Schnitt 2891 Euro im ersten Heimjahr unter der Schwelle von 3000 Euro.
In den Summen ist zum einen ein Eigenanteil nur für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt – anders als die Krankenversicherung – nur einen Teil der Kosten. Im Heim kommen Zahlungen der Bewohner für Unterkunft und Verpflegung, Investitionen in den Einrichtungen und Umlagen für Ausbildungskosten hinzu.
Kostentreiber sind vor allem die Personalausgaben für dringend benötigte Pflegekräfte. Seit 2022 können Heime nur noch Verträge mit den Pflegekassen schließen, wenn sie nach Tarif oder ähnlich bezahlen. Und das schlägt dann auf den Eigenanteil nur für die reine Pflege durch: Der Ausgangswert, von dem aus die jeweiligen konkreten Zahlungen der Pflegebedürftigen in den Heimen ermittelt wird, stieg im Bundesschnitt über die Marke von 2000 Euro auf nun 2088 Euro im Monat – monatlich 226 Euro mehr als im Juli 2025.
Teurer geworden sind auch Unterkunft und Verpflegung. Fällig werden nun im Schnitt 1086 Euro pro Monat und damit 50 Euro mehr als zum 1. Juli 2025.
Der sogenannte Einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE) sinkt mit der Wohndauer im Heim ab. Ursache ist der Zuschuss der Pflegeversicherung, der nur für den EEE gezahlt wird. Er beträgt im ersten Aufenthaltsjahr davon 15 Prozent, im zweiten Jahr 30 Prozent, im dritten Jahr 50 Prozent und danach 75 Prozent, sofern die Betroffenen mindestens in Pflegegrad 2 eingestuft sind.
Der Ersatzkassen-Verband vdek fordert eine Begrenzung des Kostenanstiegs. Zudem müssten die Investitionskosten für Bau oder Instandhaltung der Gebäude „vollumfänglich“ von den Ländern getragen werden. Das gleiche gelte für die im EEE enthaltenen Kosten der Ausbildung des Pflegefachpersonals. „Würden die zuständigen Bundesländer ihre Kosten für Investitionen und Ausbildung komplett übernehmen, müssten Pflegeheimbewohnerinnen und -bewohner auf einen Schlag monatlich 649 Euro weniger im Durchschnitt bezahlen“, erklärte vdek-Vorstandschefin Ulrike Elsner.
Die bisherigen Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sehen hingegen vor, Pflegebedürftige noch stärker zu belasten. Warken plant unter anderem, den Anstieg des Zuschusses bei längeren Heimaufenthalten zeitlich zu strecken.
Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) fordert mit Blick auf die angespannte Finanzsituation der Pflegeversicherung, „dass versicherungsfremde Leistungen durch Steuermittel des Bundes finanziert werden – dies gilt neben den Beiträgen für die Rentenversicherung pflegender Angehörige auch für die Kosten der Corona-Pandemie.“