Kampf gegen Drogen ist kein Stadtviertel-Thema

von Redaktion

Verdrängung in München

Natürlich darf man sich freuen. Der Alte Botanische Garten in München, bis vor Kurzem noch als Drogen-Brennpunkt gefürchtet, ist zur innerstädtischen Oase geworden. Stadt, Polizei und Anwohner haben das zusammen geschafft – zum Beispiel mit massiver Polizeipräsenz und der Schaffung von Sportplätzen. Das ist gut – und das war überfällig.

Leider währt die Freude nur rund zehn Minuten – so lang dauert ein Spaziergang vom Alten Botanischen Garten zum Nußbaumpark am Sendlinger Tor. Hier trifft sich eine offene Drogenszene. Am Tag fürchten Ladenbesitzer um ihre Geschäfte, nachts schlafen hier Drogenabhängige.

Dass diese Verdrängung stattfindet, ist logisch – weil der Drogensüchtige nicht seine Sucht vergisst, bloß weil die Stadt einen Platz umgestaltet. Die Sucht geht weiter, bloß eben an einem anderen Ort.

Wer gegen Abhängigkeit und ihre Folgen kämpfen will, muss größer denken. Der muss nicht nur einen Platz schöner machen, sondern eine Grundsatz-Entscheidung fällen. Entweder man kämpft gegen Drogen, dann aber hart. Wie das mit einem Klima zusammenpasst, in dem gerade Kiffen legalisiert wurde: Das müssten sich diejenigen Politiker überlegen, die diese Legalisierung durchgedrückt haben.

Natürlich: Man kann auch über sanfte Lösungen mit Konsumräumen sprechen. Aber auch das wird nur dann funktionieren, wenn man über die Viertel-Grenzen hinausdenkt.ULRICH.HEICHELE@OVB.NET

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