Putin versteckt Yacht vor Drohnen

von Redaktion

Wladimir Putins Yacht „Graceful“ – hier auf einem Bild, das 2015 in Sochi entstand. © Marcus Brandt/dpa

München – Es klingt so, als ließe es sich hier ganz gut aushalten: Die „Graceful“ ist 83 Meter lang. Die Yacht verfügt über einen Hubschrauber-Landeplatz, sechs luxuriös ausgestattete Kabinen und – weil es in russischen Gewässern öfter ziemlich kalt ist – einen langen Indoor-Pool. 100 Millionen Euro soll das Schiff gekostet haben. Und auch wenn das nirgends offiziell hinterlegt ist, dürfte klar sein, wem dieser schwimmende Luxus gehört: dem russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Doch inzwischen scheint es an Bord nicht mehr allzu gemütlich zuzugehen. Die „Kieler Nachrichten“ berichteten unlängst von einem russischen Marinekonvoi in der Ostsee, der für einige Aufregung sorgte. Die „Graceful“ wurde verlegt, begleitet von der 111 Meter langen „Voevoda“, vermutlich ein Versorgungsschiff für die Yacht, sowie dem Zerstörer „Severomorsk“. Fotos und Videos zeigen, dass die Decks und Außenflächen zum Schutz gegen Drohnen mit Netzen überzogen waren. Drohnen, die vermutlich auch der Grund für die ungewöhnliche Reise waren.

Inzwischen liegt das Schiff dem dänischen Fernsehen zufolge im Gebiet Murmansk auf der russischen Halbinsel Kola, nördlich des Polarkreises. Offenbar wird damit versucht, es außerhalb der Reichweite ukrainischer Drohnen zu bekommen. Kiew schafft es inzwischen, russische Ziele bis weit ins Landesinnere zu zerstören. Vergangene Woche traf es eine Ölraffinerie in Omsk in Sibirien, 2700 Kilometer von ukrainisch kontrolliertem Gebiet entfernt. „Der Abzug dieser prestigeträchtigen Schiffe aus der Ostsee dürfte auch als Folge der ukrainischen Drohnenangriffe gesehen werden“, zitierten die „Kieler Nachrichten“ Johannes Peters, Abteilungsleiter Maritime Strategie und Sicherheit am Institut für Sicherheitspolitik der Uni Kiel. „Besonders die Angriffe beim St. Petersburger Wirtschaftsforum scheinen zu der Erkenntnis geführt zu haben, dass auch in der Ostsee die wertvollen Schiffe nicht mehr sicher sind.“

Am Sonntag kam die Meldung, dass Russland inzwischen gezwungen sei, den Schiffsverkehr im Asowschen Meer einzustellen, nachdem innerhalb von weniger als einer Woche 90 Schiffe Ziel ukrainischer Drohnenangriffe geworden waren. Das Asowsche Meer verbindet Russland mit Osteuropa und gilt sowohl in wirtschaftlicher als auch in militärischer Hinsicht als äußerst wichtig für Moskau. Nach Angaben des ukrainischen Militärs gehören viele der getroffenen Schiffe zur russischen „Schattenflotte“ aus kommerziellen Öltankern – aber natürlich wäre auch Putins Privatbesitz ein spannendes Ziel für die Ukrainer.

Dass Putin an der Megayacht zu hängen scheint, wurde im Februar 2022 deutlich. Das Schiff lag für Reparaturarbeiten in Hamburg. Als Journalisten das thematisierten, wurde es – offensichtlich nicht fertiggestellt – in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Kaliningrad gebracht. Nur zwei Wochen später marschierte Putin in der Ostukraine ein.MIK

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