Die Waffenruhe zwischen den USA und Iran ist aufgekündigt, der Krieg droht mit voller Wucht neu zu entflammen. Es ist ein Krieg, den Donald Trump gerne loswerden würde: Eine große Mehrheit der US-Amerikaner lehnt ihn ab, die nun wieder steigenden Ölpreise und die daraus resultierende Inflation drohen den US-Republikanern die Zwischenwahlen im November zu verhageln.
Aber auch der Iran bräuchte dringend Stabilität, bräuchte wirtschaftliche Erholung, um die Unzufriedenheit der Bevölkerung nicht erneut hochkochen zu lassen. So zumindest sieht es die Gruppe der Gemäßigten in der sich neu formierenden iranischen Führung – angeführt vom Präsidenten Massud Peseschkian. Doch den Hardlinern, die vorwiegend bei den Revolutionsgarden sitzen, ist das Leid der Bevölkerung egal: Sie setzen auf maximale Eskalation – mit der Sperrung der Straße von Hormus als perfekter Waffe. Iranische Unterhändler sollen laut US-Quellen Trumps Verhandlern anvertraut haben, dass die Hardliner mit dem Beschuss von Frachtschiffen in der Straße von Hormus jegliche Friedens-Vereinbarung gezielt torpedieren wollen.
Die Revolutionsgarden sitzen so am längeren Hebel, sie scheinen die Sieger des Ringens um die Macht in Teheran zu sein. Bei der Chameinei-Trauerfeier wurde Präsident Peseschkian von Anhängern des Hardliner-Lagers mit „Tod dem Beschwichtiger!“-Rufen tätlich angegriffen, die Bilder davon wurden über Soziale Medien verbreitet. Ein ungeheuerlicher Vorgang, bei dem die Hilflosigkeit des Präsidenten und seine Unterlegenheit im brutalen Machtkampf vor den Augen der Weltöffentlichkeit sichtbar wurde.
Die Scharfmacher wissen, dass Trump keinerlei Idee hat, wie es weitergehen soll. Bombardements und gezielte Tötungen von Führungsfiguren, die Strategie der ersten Kriegsphase, haben das Regime in Teheran nicht stürzen können. Der von Optimisten in Washington erhoffte Volksaufstand wurde durch noch mehr brutale Repression im Keim erstickt. Die Revolutionsgarden hingegen haben einen Plan: Die neue Eskalation des Krieges soll Trumps Hilflosigkeit vor den Augen der US-Wähler entlarven. Und langfristig sollen die Atombombe und die Kontrolle der Straße von Hormus ihre Macht absichern.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET