KOMMENTAR

Spitzel-Gefahr am Gartenzaun

von Redaktion

Gieß-Verbot in München

Die Stadt München hat seit gestern eine „Allgemeinverfügung zur Wassernutzung“. Schon der Titel dieser Wasserspar-Verordnung klingt empathielos – und der Text macht‘s noch schlimmer. Sechs Mal kommt da das Wort „verboten“ vor, einmal die Formulierung „vollständig untersagt“. Jeweils fett gedruckt, damit sich auch jeder fürchtet.

Ausgerechnet das Wasser (das laut Internet-Seite der Stadtwerke übrigens immer noch „praktisch unerschöpflich“ ist) wird damit zum Objekt von Missgunst und schiefen Blicken. Denn natürlich öffnet so eine Verfügung auch das (Garten-)Türl zum Denunziantentum. Zum Nachbarn, der von 9 bis 19 Uhr über die Mauer schaut und darauf achtet, ob der Nebenmann auch wirklich nicht gießt.

Entschuldigung: Das ist nicht das, was unsere Landeshauptstadt ausmacht. München kommt vom „Leben und leben lassen“. Ja, natürlich: Wenn Wasser knapp ist, dann sollten wir alle sparen. Aber nicht auf Befehl und nicht aus 50.000-Euro-Angst, sondern aus Einsicht. Dass dieses Bewusstsein nicht innerhalb von drei Wochen wächst, ist kein Alarmsignal, sondern normales Leben.ULRICH.HEICHELE@OVB.NET

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