Wahlkampfauftritt: Ulrich Siegmund (l.), Tino Chrupalla und Uwe Steimle (r.). © dpa
München – Erst sangen sie die DDR-Hymne, dann gab es auch noch einen indirekten Aufruf zu einem Attentat auf Kanzler Friedrich Merz: Eine AfD-Wahlkampf-Veranstaltung in Sachsen-Anhalt sorgt für Aufregung und Empörung.
Die AfD hatte am Dienstagabend in Dessau-Roßlau zu einer Podiumsdiskussion mit dem Kabarettisten Uwe Steimle eingeladen. Am Ende sollte eigentlich die deutsche Nationalhymne gesungen werden, Steimle stimmte jedoch die DDR-Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen“ an. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und Parteichef Tino Chrupalla sangen gemeinsam mit den Besuchern mit.
Der Kabarettist irritierte zuvor schon mit verkappten Gewaltdrohungen gegen Merz und seine Vorgängerin Angela Merkel: Mit Blick auf die Unterstützung des Kanzlers für die Ukraine sagte Steimle laut „Mitteldeutscher Zeitung“: „Mittlerweile frage ich mich manchmal: Wo ist eigentlich Stauffenberg, wenn man ihn mal wirklich braucht?“ Claus Graf Schenk von Stauffenberg gehörte zu einer Gruppe von Verschwörern, die am 20. Juli 1944 einen Anschlag auf Adolf Hitler durchführte.
Über das Gemälde von Angela Merkel sagte der auch als einstiger Kommissar im ARD-„Polizeiruf 110“ bekannte Steimle, das Bild hänge im Moment – und wenn alle Stränge reißen oder der Nagel bricht, „stellen wir sie an die Wand.“ Die Staatsanwaltschaft Dessau-Roßlau hat Ermittlungen eingeleitet.
Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) nannte es „extrem befremdlich“, dass politische Repräsentanten die DDR-Hymne singen, „die damit ja ganz offensichtlich auch politische Botschaften verbinden möchten“. AfD-Chef Chrupalla verteidigte den Auftritt. Das Lied „Auferstanden aus Ruinen“ drücke genau die Hoffnung aus, die Bürger empfinden würden, sagte er dem „Stern“.KR