Eines der beeindruckendsten Gemälde in der Alten Pinakothek ist das Große Jüngste Gericht von Peter Paul Rubens. Auf über sechs Metern stürzen die einen in die Hölle, die anderen steigen in den Himmel auf. Es ist das größte Bild, das der Meister jemals vollbracht hat – allerdings nicht alleine, sondern mit bis zu zwanzig anderen Künstlern. Ähnlich wie Markus Blume mit seiner Museumsoffensive, für die er eine Kommission aus klugen Köpfen gebildet hat. Und wie bei Rubens bringt er damit die museale Weltordnung in Bayern komplett durcheinander. Aber er stellt sie neu auf: freier, kreativer und digitaler.
Längst überfällig in Zeiten, in denen man mit dem Handy durch Ausstellungen schlendert, sich manche Besucher ausschließlich über Apps und in Sozialen Netzwerken informieren. Bisher hat jedes Museum da so seine eigene Strategie, wenn überhaupt. Meist fehlen Personal und Bereitschaft. Denn: Warum sich engagieren, wenn eh der Staat finanziert? Wenn es keine Rolle spielt, wie viele Besucher kommen. Auch verbeamtete Museumsdirektoren, oft sogar auf Lebenszeit, sind einer kreativen, international ausgerichteten Strategie nicht unbedingt förderlich.
Dabei hat Bayern Sammlungen von Weltruhm. Lange Besucherschlangen, wie in Rom, Florenz oder London sucht man hier allerdings vergeblich. Während sich vor der Mona Lisa in Paris oder der Venus von Botticelli in Florenz die Massen drängeln, kann man vor dem Jüngsten Gericht von Rubens in München schon mal meditieren. Alleine. Dabei ist das Meisterwerk eine Welt-Sensation. Es weiß nur kaum einer.