Kurz nach Amtsantritt versprach der Kanzler einen „deutsch-französischen Neustart für Europa“. Doch die Verheißung von damals ist zum leisen Wunsch zusammengeschrumpft. Zwischen Paris und Berlin klappte zuletzt wenig. Friedrich Merz mag einen besseren Draht zu Emmanuel Macron haben als Scholz oder Merkel, aber was nützt das, wenn es insgesamt hakt: Zuletzt beerdigte man das gemeinsame Kampfjetprojekt FCAS. In der Wirtschaftspolitik knirscht es, beim EU-Haushalt auch.
Auch wenn es in dieser deutsch-französischen Woche mit Merz-Besuch in Paris und Macron-Gegenbesuch nicht so wirkt: Die jeweiligen Regierungen scheinen im Moment nicht allzu viel voneinander zu erwarten. Um voranzukommen, bräuchte Europa das Gegenteil. Trotzdem wird man sich in Berlin und anderswo noch nach dem scheidenden Präsidenten zurücksehnen.
Seit klar ist, dass Frankreichs umfragestarke Rechtspopulisten nicht den melonihaften Jordan Bardella, sondern die Abrissbirne Marine Le Pen ins Rennen um die Macron-Nachfolge schicken, muss man sich ernsthaft sorgen. Eine Präsidentin Le Pen wäre wie Orbán, nur mächtiger. Sie könnte das deutsch-französische Tandem auf die Intensivstation schicken – und die EU gleich mit.
Was wäre dann mit der gemeinsamen Schutztruppe für die Ukraine? Was mit einer deutschen Beteiligung am französischen Atomschirm? Was mit der Finanzierung der EU? Le Pen will den französischen Beitrag halbieren, Europa schwächen. Deutschland allein könnte die Lücken kaum füllen, umso weniger, als sich auch andere wichtige Partner bedenklich nach rechts neigen: London, womöglich Warschau. Schon jetzt wirkt das Le-Pen-Szenario wie ein Hemmschuh fürs Zusammenrücken. Was auch immer der Ministerrat auf Schloss Bensberg bringt: Er könnte vorerst eines der letzten Zeugnisse einer halbwegs intakten deutsch-französischen Partnerschaft sein.