Umstrittene Kügelchen: Homöopathie polarisiert. © PA
München – Dieser Forschungsauftrag sorgte bundesweit für Aufsehen. 2019 hat der Landtag beschlossen, untersuchen zu lassen, ob durch homöopathische Mittel der Einsatz von Antibiotika reduziert werden kann, um die Bildung multiresistenter Keime einzudämmen. CSU, Freie Wähler und große Teile der Grünen schoben das umstrittene Vorhaben mit ihren Stimmen über die Ziellinie.
In der Folge wurden an der TU München Frauen mit regelmäßigen Harnwegsinfektionen untersucht, die Antibiotika erhalten. Gemessen werden sollte, ob diejenigen unter ihnen, die – ohne es zu wissen – zusätzlich noch Globuli erhielten, seltener Infekte erleiden oder weniger Antibiotika benötigen. Nach zwischenzeitlichen Berichten über Probleme bei der Rekrutierung von Probanden liegt nun auch ein Ergebnis vor. „Die Studie konnte folglich keine Belege erbringen, dass die prophylaktische Gabe von homöopathischen Arzneimitteln der Gabe eines Placebos überlegen war“, heißt es im Vollzugsbericht von Gesundheitministerin Judith Gerlach (CSU) an den Landtag.
Gekostet hat diese Erkenntnis rund 640.000 Euro, wie aus der Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der SPD-Abgeordneten Ruth Waldmann hervorgeht, die unserer Zeitung vorliegt. Rund 700.000 wurden der TU demnach für die Durchführung der Studie zugewiesen, rund 60.000 Euro seien übrig geblieben. Allein „für die Herstellung von Prüfpräparaten“ fielen rund 100.000 an.
Das Urteil von Waldmann fällt hart aus. „Außer Spesen nix gewesen“, sagt die SPD-Politikerin, die schon 2019 deutliche Kritik an den Plänen und der anschließenden Entscheidung des Landtags geäußert hatte. „Trotz aufwändiger Plakat- und Bildschirm-Werbung in der Münchner U-Bahn konnten seit 2022 statt der angepeilten 240 Frauen, die unter wiederkehrenden unkomplizierten Harnwegsentzündungen litten, nur 40 in die Studie aufgenommen werden“, entnimmt sie dem Abschlussbericht. „Aber nur 22 Patientinnen hielten bis zum – zuletzt wohl unvermeidlichen Abbruch – der Studie Ende 2025 durch“, sagt Waldmann. Ihrer Ansicht nach gab es „bereits vor dieser bayerischen Studie keinen Mangel an belastbaren Forschungsergebnissen zu pharmakologisch wirkstofffreien homöopathischen Präparaten. Woran es fehlt, ist die Bereitschaft, diese Erkenntnisse endlich zur Kenntnis zu nehmen.“ Das habe die Staatsregierung nun „sehr teuer mit Steuergeld bezahlt“.SEBASTIAN HORSCH