Jens Spahn hat den Preis für seine Doppelmoral bezahlt. Das war, wie der Kanzler zutreffend bemerkte, „richtig und unvermeidlich“. Doch für den Tiefpunkt der Debatte sorgte nicht der gestürzte Fraktionschef, sondern die Ex-Chefin der Grünen Jugend und bekennende Polizistenhasserin Jette Nietzard. Sie schickte Spahn eine höhnische „Gratulation zum Babykauf“. Und Juso-Chef Türmer, der so gern von Respekt und Miteinander spricht, feierte die menschliche Katastrophe für Spahn mit einem hämischen Video, in dem er sich zu den Klängen des Donauwalzers ein Bier einschenkt – Feste müsse man feiern, wie sie fallen.
Selbst für ihre Verhältnisse unterbieten Nietzard und Türmer damit noch die elementarsten Regeln menschlichen Anstands – und mit ihnen zehntausende „Follower“, die ihre Bösartigkeiten im Netz feiern. Immerhin geht es hier um ein Baby, das irgendwann die bösen Sätze über sich und seine Väter wird lesen können. Der Hass-und-Hetze-Vorwurf geht solchen Leuten stets flüssig über die Lippen, wenn es um die AfD oder Unionspolitiker wie Spahn geht. Für sich haben die selbst ernannten Wächter der Demokratie eine andere Moral gepachtet.
Das gilt auch für die Macher der ZDF-Sendung „Die Anstalt“. In ihrer heutigen Jubiläumssendung wollten sie es nicht bei der üblichen Verächtlichmachung des Kanzlers belassen. Als Höhepunkt sollte vielmehr der Sänger „Danger Dan“ sein Lied „Keine Angst“ vortragen, das zur Gewalt gegen Rechte ermutigt. Der Text liefert die Anleitung dafür: „Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras“, heißt es da, und: „Nie ohne Handschuhe, nie nen Fingerabdruck hinterlassen.“ Nicht mal der Gruß an die verurteilten Linksextremisten der Hammerband fehlt.
Den ZDF-Chefs gebührt Lob dafür, dass sie den Mann kurzfristig ausgeladen haben. Die drei „Anstalt“-Moderatoren und Polit-Aktivisten Maike Kühl, Max Uthoff und Claus von Wagner lässt das „fassungslos“ und „wütend“ zurück. Dabei ist das Lachen über die Witze der drei Satiriker vielen schon lange im Halse stecken geblieben. Wer nichts dabei findet, als Kunst verbrämte Gewaltaufrufe zu verbreiten, überschreitet eine gefährliche Grenze – und zeigt, wohin die Reise ganz links und ganz rechts heute geht.