Über Jahrzehnte war rechts der Mitte die Stellung der Parteien klar verteilt: Die Union, das war die große Kanzlerpartei CDU und ihre kleine bayerische Schwester. Ganz weit dahinter folgten irgendwelche Splitterparteien. Heute hat sich die Situation dramatisch verändert: Schon seit Monaten führt bundesweit die AfD, bei den drei Landtagswahlen im Herbst könnte sie überall vor der CDU landen. Und auch innerhalb der Union gibt es eine Machtverschiebung. Selbst viele Christdemokraten hätten lieber Markus Söder als Kanzlerkandidaten gesehen. Bei der Bundespräsidenten-Frage spricht vieles für Ilse Aigner. Und sogar für den jetzt frei gewordenen Fraktionsvorsitz wäre Alexander Dobrindt eine logische, wenn nicht gar die beste Option – wäre er nicht als Innenminister unverzichtbar. Wie kann das sein? Warum schwächelt die große CDU so?
Die Antworten sind vielschichtig. Eine lautet: Die CDU-Spitze in Berlin hat den Draht zur Basis verloren. Das zeigte sich auch in der Causa Jens Spahn. Beide, Spahn aber auch Parteichef Friedrich Merz, unterschätzten die Stimmungslage in der CDU beim heiklen Thema Leihmutterschaft. So wie sie zuvor schon Streitthemen wie Migration, Wirtschaftspolitik oder Bürokratie falsch einordneten. Man kann Söders CSU manches vorwerfen – aber sie hat ein Ohr für ihre Mitglieder. Dadurch funktioniert das interne Alarmsystem, die Krisenbewältigung ist professioneller.
Wenn Merz nun seinen Laden neu aufstellt, darf er die Partei nicht vergessen.