„König des Nordens“ übernimmt Zepter

von Redaktion

Politische Krönung: Der neue britische Premierminister Andy Burnham hält vor der Downing Street Nr. 10 eine Rede. Zuvor hatte ihn König Charles III. empfangen. © Stefan Rousseau/dpa

London – Andy Burnham erlebt die wichtigsten Tage seiner politischen Karriere. Am Montag wurde er offiziell von König Charles III. zum neuen britischen Premierminister ernannt. Doch sein an Alzheimer erkrankter Vater Roy kann daran nicht mehr richtig teilhaben. „Das ist traurig, denn er wäre stolz“, erzählte Burnham der Zeitung „The Times“.

Dass er es so weit gebracht habe, sei auch ein Verdienst seines Vaters, sagte Burnham – und der ganzen Familie. „Auch wenn er das nicht mehr weiß, gibt mir das trotzdem das Gefühl, dass wir das irgendwie gemeinsam erreicht haben.“ Roy Burnham, einst überzeugter links stehender Labour-Wähler, war es, der seinen Sohn für die Politik begeisterte.

Die Erkrankung seines Vaters ist für den neuen Premier ein Beweggrund, das marode Gesundheitssystem zu reformieren. Der frühere Bürgermeister von Greater Manchester folgt seinem Parteikollegen Keir Starmer nach, der unter großem Druck im Juni seinen Rücktritt angekündigt hatte.

Burnham, der wegen seiner Beliebtheit in Manchester als „König des Nordens“ bezeichnet wird, gilt seit Wochen als Hoffnungsträger für Labour, das Land doch noch aus der Krise führen zu können. Unter Starmer hatte die Partei im Sommer 2024 einen überzeugenden Wahlsieg errungen. Ihre komfortable Mehrheit im Parlament konnte sie wegen interner Streitigkeiten jedoch nie wirklich nutzen. Seit Monaten liegt die rechtspopulistische Partei Reform UK in Umfragen teils deutlich vorn.

Am Freitag war Burnham zum neuen Labour-Vorsitzenden ernannt worden. In seiner Antrittsrede beschrieb er sich selbst als Mann der Basis. Burnham versprach, die Kontrolle über Wasser, Energie, Wohnungsbau und öffentliche Verkehrsmittel wieder stärker in die öffentliche Hand zu bringen sowie die in London konzentrierte politische und wirtschaftliche Macht in die Regionen zu verlagern. Eine vollständige Rückkehr in die Europäische Union scheint auch unter dem neuen Premier ausgeschlossen.

Der neue Premier steht vor vielen der Probleme, an denen sein direkter Vorgänger Starmer scheiterte. Die britische Wirtschaft schwächelt, außenpolitisch verliert die Nation an Bedeutung, die Bevölkerung leidet unter sozialer Ungleichheit sowie Belastungen wie Wohnungsnot und hohen Energiekosten.

Mit den Gepflogenheiten in Westminster ist Burnham bestens vertraut. Im Kabinett des damaligen Premierministers Gordon Brown war er in den 2000er-Jahren unter anderem Gesundheitsminister. In den Jahren 2010 und 2015 hatte er bereits zweimal erfolglos versucht, an die Spitze der Labour-Partei gewählt zu werden. Die Ernennung am Freitag erfolgte schließlich ohne Gegenkandidaten. „Wer ist Andy Burnham?“, versuchte jüngst die BBC zu ergründen. Zur Auswahl stand auch die Bezeichnung „rücksichtsloser Strippenzieher“. Beispielhaft erwähnt werden nicht nur der Sturz von Starmer, zu dem dieser selbst allerdings auch viel beigetragen hat, sondern auch Berichte, wonach Burnham entgegen dem bisherigen Labour-Kurs doch wieder neue Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee genehmigen könnte.

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