Spahn-Ersatz in einer Woche

von Redaktion

Der Einflüsterer: Thorsten Frei (re.) gilt als enger Vertrauter von Friedrich Merz. Wird er Fraktionschef? © Kay Nietfeld

Berlin/München – Die Nachricht ist freundlich, aber sehr bestimmt. Am 29. Juli werde eine Fraktionssitzung „in Präsenz“ stattfinden, schreibt Interims-Chef Alexander Hoffmann per Rund-SMS an die 208 „lieben Kollegen“. „Wir bitten daher, Eure Anreise nach Berlin zu organisieren.“ Denn man werde an jenem Nachmittag einen neuen Fraktionsvorsitzenden wählen.

Sommerpause-Pause, bitte alle wieder einrücken: Es soll jetzt schnell gehen nach dem Rücktritt von Jens Spahn, keine wochenlange Hängepartie. Darauf dringen auch die ostdeutschen Wahlkämpfer in der Union, die im September Wahlen überstehen müssen. Schon in den nächsten Tagen wollen CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder einen Kandidaten vorschlagen, hinter den Kulissen an besten so vorgesprochen, dass es eine klare Mehrheit in der Fraktion geben wird.

Wer das sein wird, ist noch unklar. Thorsten Frei gilt als Favorit, aktuell Minister im Kanzleramt. Carsten Linnemann, CDU-Generalsekretär, kommt infrage, vielleicht auch als Frei-Ersatz, ebenso der NRW-Abgeordnete Günter Krings. Spekuliert wird in Berlin auch über Alexander Dobrindt, nach ihm gibt es vernehmbare Rufe nicht nur aus der CSU. Aber: Noch nie war ein CSU-Politiker auf Dauer Chef der gemeinsamen Fraktion. Dafür müsste er das Innenministerium räumen – wo bestenfalls die halbe Migrationswende bisher gelungen ist, das wäre ein grober Rückschlag für die eh nicht erfolgsverwöhnte Koalition.

Unter den 44 CSU-Abgeordneten gibt es außer Dobrindt keinen Favoriten. Hoffmann hat seinen Abgeordneten versprochen, sie würden eingebunden, er selbst hält dazu engen Kontakt zu Söder. Da ist es hilfreich, dass die CSU ohnehin eine Klausur geplant hatte: Am 27./28. Juli kommen die Abgeordneten im Kloster Banz zusammen. Da dürfte der Name dann schon feststehen. Unter den CDU-Namen gilt Frei in der Landesgruppe als zumindest vermittelbar.

Der Badener hätte den Posten gerne schon 2025 gehabt. Doch Merz wollte seinen Vertrauten als Strippenzieher im Kanzleramt. Ein Experiment, das nicht immer glücklich verlief. Manche Regierungspanne wurde dem 52-Jährigen angelastet, unter anderem die steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu 1000 Euro. Der Bundesrat lehnte das Vorhaben ab, später verschwand es im Papierkorb.

Richtig Ärger bekam Frei im Juli 2025. Da fehlte er bei einem Koalitionsgipfel, weil er einen wichtigen Auftritt bei der Sparkasse im Schwarzwald-Baar-Kreis hatte. So sehr man in der CDU die Arbeit im Wahlkreis schätzt: Der Kanzler bedeutete seinem wichtigsten Organisator, dass bei Koalitionsgipfeln Anwesenheitspflicht bestehe. Später, beim Treffen der Koalition in der Villa Borsig in diesem April, war Frei zwar dabei, galt aber als ein Sündenbock für die dürftigen Ergebnisse.

Ob es bei all dem Getuschel gerecht zugeht, steht auf einem anderen Blatt. Schließlich heißt der Kanzler Merz und nicht Frei. Neun Jahre war er Oberbürgermeister im baden-württembergischen Donaueschingen. Nach dem Wechsel nach Berlin arbeitete er sich in der Fraktion nach oben, bis zum parlamentarischen Geschäftsführer, bestens vernetzt und akzeptiert. Reicht das?

Einer fehlte gestern bei der Präsidiumssitzung der CDU. Jens Spahn, der mit Kind und Kegel noch in den USA weilt. Zur Fraktionssitzung am 29. Juli müsste der Zurückgetretene eigentlich wieder in Berlin sein. Die „Bitte“ von Alexander Hoffmann gilt für alle. Man hört, dass Spahn dabei noch einen vertretbaren Weg hat – andere, vor allem norddeutsche Abgeordnete, fliegen eilig aus Inseln im indischen Ozean und der Karibik ein.

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