Was Wadephul in Mauretanien will

von Redaktion

Der Wüstenstaat gilt als letzter stabiler Partner im Sahel – danach reist der Minister nach Nigeria und Südafrika

Berlin – Wer sich bei Amnesty International erkundigt, erfährt nicht allzu viel Gutes über Mauretanien. Die Organisation kritisiert regelmäßig staatliche Repressionen, Folter und – obwohl verboten – einen regen Sklavenhandel in der Islamischen Republik. Es gäbe also einiges zu kritisieren für einen deutschen Außenminister. Johann Wadephul, dessen Afrikareise gestern in dem westafrikanischen Land begann, setzt aber andere Akzente.

Mauretanien sei ein „verlässlicher und stabiler Partner in einer sonst fragilen Region“, ließ der CDU-Politiker vor seiner Abreise wissen. Man teile das Interesse, die Sicherheit im Sahel zu verbessern. Mauretanien sei hier besonders herausgefordert, Deutschland wolle „noch stärker unterstützen“.

Tatsächlich wächst die strategische Bedeutung des Wüstenstaats, zur Partnerschaft mit ihm gibt es kaum eine Alternative. In den vergangenen Jahren haben sich mehrere Staaten der Sahel-Zone aus der Zusammenarbeit mit Europa verabschiedet. Die Region bleibt aber für Deutschland und die EU von großer Bedeutung: Sie ist weiterhin ein zentraler Transitraum für Migranten, die nach Europa wollen. Und ein Wohlfühl-Gebiet für Terroristen.

Um in der Region mitzureden, setzte Europa lange auf mehrere Staaten, besonders Mali, Niger, Burkina Faso. Militärische und strategische Zusammenarbeit sollten die Länder stabilisieren und den blühenden Terrorismus zurückdrängen. Doch ab 2020 putschten sich in allen drei Staaten Militärregierungen an die Macht, die andere Pläne verfolgen. Sie traten aus der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas aus, wandten sich Russland und China zu und brachen mit Europa. Die Bundeswehr zog aus Mali und Niger ab, auch Frankreichs Truppen packten ihre Sachen.

Verglichen damit ist Mauretanien ein Hort der Stabilität. 2024 schloss das Land ein Migrationsabkommen mit der EU, um die irreguläre Migration über die Atlantikroute einzudämmen. Bis heute gewährt es rund 300.000 Flüchtlingen aus dem benachbarten Mali Zuflucht. Außerdem geht die Regierung, auch mit EU-Hilfe, gezielt gegen Terrorismus vor. Trotz der explosiven Nachbarschaft wurde hier seit Jahren kein Anschlag mehr registriert. In einer Analyse bezeichnete die Denkfabrik European Council on Foreign Relations das Land als „Puffer, der sicherstellt, dass die Instabilität der Sahelzone nicht die Atlantikküste erreicht“.

Grund genug für Wadephul, die Beziehungen zu pflegen. Gestern traf er neben seinem Amtskollegen Mohamed Salem Ould Merzoug auch Staatspräsident Mohamed Ould Ghazouani, der mit Deutschland ein kurioses Erlebnis verbindet: Als der Bundespräsident ihn vor knapp zwei Jahren in Berlin empfing, huschte ein Fuchs über den roten Teppich vor Schloss Bellevue. Mal sehen, was Wadephul so über die Füße läuft.MARCUS MÄCKLER

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