Dass Jens Spahn mit seiner Vaterschaft gleich eine Grundsatzdebatte über Leihmutterschaft ausgelöst hat, damit hat er wohl nicht gerechnet. Das Verbot einer Leihmutterschaft einfach nur mit der angeblichen Unvereinbarkeit mit dem Christentum oder zutiefst diskriminierenden Familienbildern à la AfD zu begründen, ist weder zeitgemäß noch zielführend. Zugleich tut sich sogar der nichtkonservative Teil in Politik und Gesellschaft schwer, sich zur Leihmutterschaft zu positionieren – die SPD-Frauen haben keine abgeschlossene Meinung, die Grünen wollen diskutieren und in Umfragen sind die Deutschen uneins. Diese Debatte muss deswegen ausführlich und abgewogen geführt werden.
Familienplanung, der eigene Kinderwunsch, ist mit das Intimste im Leben. Mit zunehmendem wissenschaftlichen Fortschritt drängen sich aber ethische Fragen auf. Den eigenen Körper für eine Schwangerschaft auszuleihen, mag die Frau aus freien Stücken tun – doch mit der Geburt ist der Auftrag ja nicht erledigt. Was ist mit dem Wochenbett, der Nachsorge, der körperlichen und seelischen Umstellung? Schwer, diese Selbstlosigkeit ansatzweise angemessen finanziell zu entlohnen.
Hinzu kommt: Überall, wo Geld fließt, entstehen Geschäftsstrukturen. Wie sehr so etwas auf die Spitze getrieben werden kann, sieht man in der Ukraine. Bei einer einfachen Google-Suche ploppt Werbung für die „Dienstleistung der Leihmutterschaft“ auf: garantierte Geburt eines Kindes bestimmten Geschlechts, auf Lager, 59.000 Euro, 4,6-Sterne-Bewertung (kein Witz!). Zwischengeschaltete Agenturen machen sich da die Taschen voll. Während weder dort noch in den USA definitiv ausgeschlossen werden kann, dass die Frauen nicht aus einer (finanziellen) Notlage heraus handeln. Da hilft auch nicht der altruistische Ansatz, die Leihmütter nicht zu bezahlen.
Letztlich wird die Regierung es nicht verhindern können, dass es Gutbetuchte für ihr Familienglück ins Ausland zieht. Eine geregelte Debatte mit klaren Argumenten kann aber auch für mögliche Alternativen – von Adoption bis Pflegekindern – sensibilisieren.LEONIE.HUDELMAIER@OVB.NET