Wenn man sich in der CSU offene Briefe schreibt, ist Gefahr im Verzug – in diesem Fall für Manfred Weber, den Chef der bürgerlichen EVP-Fraktion im EU-Parlament. Bayerns Bauern und Waldbesitzer fühlten sich von ihm „vertröstet“ und nicht ausreichend „wahrgenommen“, schreiben die Söder-Minister Eric Beißwenger und Michaela Kaniber ihrem Brüsseler Parteifreund. Weber unternehme zu wenig gegen „realitätsferne Bürokratie“ und „massive Eingriffe ins Eigentum“ durch neue EU-Verordnungen. So sollen im Falle von Rodungen die ursprünglichen Bäume wieder gepflanzt werden, auch wenn diese dem Klimawandel nicht standhalten könnten. Hinzu kämen Nachweispflichten, dass Rohstoffe wie Soja, Palmöl und Holz nicht aus der Abholzung von Wäldern stammen.
Es geht um die „Waldwiederherstellungs- und Entwaldungsverordnung“, aber mehr noch darum, den allzu ehrgeizigen Weber zurechtzustutzen. Dessen fünfseitigen Pfingstbrief inklusive Forderung nach einem Kurswechsel hat Parteichef Söder als das verstanden, was es war: der Versuch, nach der Kommunalwahl einen Aufstand gegen ihn loszutreten. Das ging schief. Denn als Weber seinen Brief verfasste, war der Moment von Söders größter Schwäche schon wieder vorbei. Jetzt fühlt sich der Ministerpräsident wieder fest genug im Sattel, es seinem niederbayerischen Rivalen heimzuzahlen.
Söder richtet damit zugleich eine Warnung an seine Gegner in der Partei: Einer wie er tritt nicht zur Seite, wie es Edmund Stoiber 2007 tat. Wer sein Amt haben will, muss mehr riskieren, als in Heckenschützenmanier ein paar Schüsse abzufeuern. Und Helden sind in der CSU gerade rar gesät.