Minister im zweiten Anlauf

von Redaktion

Carsten Linnemann folgt Nina Warken im Gesundheitsressort – Kann er das?

Antreiber: So sieht sich Linnemann selbst. © C. Bilan/EPA

München – Irgendwann stutzte selbst die Moderatorin. Gerade hatte die Regierung den Durchbruch bei der Gesundheitsreform geschafft. Doch statt das zu feiern, zählte der CDU-Generalsekretär auf, was ihm fehlt. „Ich bin überrascht, wie Sie hier sitzen“, sagte Sandra Maischberger. „Sie wirken so ein bisschen, ich sach mal, mau.“ Carsten Linnemann erwiderte: „Wir müssen einfach weitermachen.“

Die Szene von Ende April erzählt viel über den 48-Jährigen, der sich gerne als ehrlichen Macher inszeniert, als Antreiber, dem gut nicht genug ist. Bei Maischberger wirkte er wie einer, der stürmen will, aber im Mittelfeld rumstehen muss. Das ist vorbei. Seit Freitag ist klar: Der Ostwestfale wird Nachfolger von Nina Warken als Gesundheitsminister. Er trete das Amt mit „Demut und großem Respekt“ an, sagte er.

Sollte er auch, die Aufgabe ist gewaltig. Im Gesundheitswesen warten – von der Finanzierung der Kassen über die Pflege bis zur Krankenhauslandschaft – viele Baustellen. Linnemann, promovierter Volkswirt, hat sich zwar bisher nicht als Sozialpolitiker hervorgetan, ganz unbeleckt ist er aber nicht. In den Koalitionsverhandlungen mit der SPD verhandelte er für die CDU den Gesundheitsbereich. Der Kanzler meint: „Er weiß, wovon er spricht.“

Man darf annehmen, dass Linnemann, im Kern ein Wirtschaftsliberaler, die Dinge grundsätzlich angehen will: keine kleinen Stellschrauben drehen, sondern ran an die Strukturen. Bisher bekannt ist die Forderung, die Zahl der gut 90 gesetzlichen Krankenkassen radikal zu reduzieren. „Zehn sind genug“, sagte er zuletzt immer wieder. Der Gedanke dahinter: Effizienz steigern, Kosten sparen. Kritiker mahnen längst, so einfach sei es nicht.

Der Kanzler, so viel kann man sagen, holt sich einen loyalen Weggefährten ins Kabinett. Manchen in der CDU gilt Linnemann als „Merz-Ultra“, auch weil er unermüdlich für den Aufstieg des heutigen Kanzlers rackerte. Entsprechend groß war die Enttäuschung nach der Wahl: Linnemann machte nie ein Geheimnis daraus, dass er liebend gerne ein Superministerium für Arbeit und Soziales übernommen hätte. Merz machte ihm ein anderes Angebot, das er ausschlug.

Linnemann blieb Generalsekretär. Zuletzt, erzählt man sich in der Union, sei er so gefrustet gewesen, dass er kurz vor dem Wechsel in die Wirtschaft stand. Denkbar, dass Merz ihn mit dem Ministeramt zum Bleiben bewegen wollte.

Zum Einarbeiten bleibt wenig Zeit, Raum für Fehltritte ist kaum. Linnemann muss hoffen, dass sich seine eigene Prophezeiung vom Mai 2025 nicht erfüllt. „Wenn sie mich als Gesundheitsminister aufgestellt hätten, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen“, sagte er, gefragt nach seinen Ambitionen, kurz nach der Regierungsbildung. Und dann noch: „Schuster, bleib‘ bei deinen Leisten.“MARCUS MÄCKLER

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