Zehntausende Menschen gehen auf Mallorca wieder gegen den Massentourismus auf die Straße. Und in Venedig versucht man seit zwei Jahren, Besucherströme mit Eintrittsgeld zu steuern. Beide Beispiele zeigen: Gehandelt wird erst, wenn die Lage bereits eskaliert ist. Dabei waren die Warnzeichen seit Jahren sichtbar: kaum bezahlbare Mieten, überfüllte Straßen, Staus, Lärm, Müll und eine Natur, die immer stärker unter den Besuchermassen leidet.
Dabei muss man gar nicht bis nach Spanien oder Italien schauen. Das Münchner Umland erlebt an schönen Sommerwochenenden längst den gleichen Trend. Rund um die Seen und in den Bergen herrscht oft Ausnahmezustand. Parkplätze sind überfüllt, Autos verstopfen die Rettungswege, Müll bleibt liegen, Wanderwege sind überlastet und die genervten Anwohner verlieren zunehmend die Geduld.
Das Problem ist nicht der einzelne Urlauber, das Problem entsteht, wenn zu viele Menschen gleichzeitig an einen Ort wollen. Ein Phänomen, das durch Social Media noch befeuert wird.
Natürlich wird niemand den Tourismus abschaffen können. Das wäre weder realistisch noch wünschenswert. Aber Besucherströme lassen sich lenken – durch Obergrenzen, wie sie Mallorquiner wollen, durch bessere Verkehrsplanung, digitale Reservierungssysteme oder höhere Gebühren an besonders belasteten Tagen.
Dass das System Erfolg hat, zeigt sich an den Rekordeinnahmen in Venedig. Wenn wir erst handeln, wenn das Fass überläuft, ist es oft schon zu spät.CLAUDIA.MUSCHIOL@OVB.NET