Sport-Ministerin muss weichen

von Redaktion

Berlin – Sie war gerade ein paar Wochen im Amt, da ahnte Christiane Schenderlein, wie es in der Branche mitunter zugeht. „In der Politik verlaufen nicht alle Wege ganz geradlinig“, sagte sie in einem Interview, „aber ich lasse mich auch von Rückschlägen nicht entmutigen“. Das war fast prophetisch, denn jetzt ist der erste dicke Rückschlag da: Die CDU-Politikerin wird ausgetauscht, ihr Posten als Staatsministerin für Sport und Ehrenamt ist weg.

Am Montag verkündete Kanzler Friedrich Merz öffentlich, das Amt neu zu besetzen. Dabei gibt es noch keine Entscheidung über die Nachfolge, mindestens zwei Namen kursieren. Schenderlein immerhin fällt weich: Sie erhält einen freien Posten als Staatssekretärin im Gesundheitsressort.

In Sport und Politik wird der Wechsel mit Neugier verfolgt. Beobachter in Berlin sahen das kommen, in den Verbänden nicht unbedingt. Eigentlich laufen ja gerade mehrere Großprojekte, die ins Portfolio eines Sport-Staatsministers fallen. Eine große Spitzensport-Reform steht an. Erst kurz vor der Sommerpause hatte der Bundestag nach langen Diskussionen dem neuen Sportfördergesetz zugestimmt. Kern der Reform ist die Gründung einer Spitzensportagentur, die künftig die Sportfördermillionen des Bundes verteilen soll – effektiver als bisher. Umstritten war bis zuletzt, wie viel Mitsprache der Sport selbst dabei haben soll. Mehr, forderte unter anderem die CSU. Weniger, fand Schenderlein.

Und: Der deutsche Anlauf für eine Olympiabewerbung im nächsten Jahrzehnt geht auf die Zielgerade. In Baden-Baden soll am 26. September bei einer Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbunds verkündet werden, ob Berlin, München oder die Rhein-Ruhr-Region mit Köln als Zentrum ins internationale Rennen um Sommerspiele einsteigen.

Der genaue Hintergrund ist unklar. In der Union heißt es, dass Schenderlein öffentlichkeitswirksamer für eine Olympiabewerbung hätte eintreten sollen. Unter anderem aus der CSU wurde signalisiert, dass man mit der CDU-Kollegin überhaupt nicht glücklich ist. Schenderlein selbst sagt höflich, sie respektiere Merz‘ Wunsch „und ich freue mich gleichzeitig auf die neue Aufgabe“. In ihrer ostdeutschen Heimat gibt es hingegen großen Unmut, warum sie vom prestigeträchtigeren Posten auf das Staatssekretärsamt eher im Schatten geschoben wird.

Vielleicht ist auch genau deshalb die ganze Personalie noch so offen. Womöglich brachte der Druck aus dem Osten merz dazu, Schenderlein nicht ganz fallen zu lassen, sondern zu versetzen. Demnach ist auch denkbar, den bisherigen Gesundheits-Staatssekretär Tino Sorge (CDU), ebenfalls aus dem Osten, nicht ganz fallen zu lassen, sondern statt dessen zum Sport-Staatsminister zu befördern.

Glaubt man dem Berliner Flurfunk, hat Merz eigentlich einen anderen Plan. Demnach hat er als neue Sport-Staatsministerin die frühere Fußball-Nationalspielerin Nadine Keßler im Auge. Keßler wurde mit Turbine Potsdam und dem VfL Wolfsburg viermal deutsche Meisterin. Die 38-Jährige ist Direktorin Frauenfußball bei der Europäischen Fußball-Union UEFA. Auch auf direkte Nachfrage bestätigt er das vorerst nicht und bittet um etwas mehr Geduld.CHRISTIAN HOLLMANN CHRISTIAN DEUTSCHLÄNDER

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