Der Wasser-Plan für Bayern

von Redaktion

München – Das kurze Zeitfenster nach der Sitzung und vor der Pressekonferenz nutzt der Ministerpräsident für ein schnelles Selfie mit Teilen seines Kabinetts. Markus Söder zückt das Smartphone und winkt Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) und Umweltminister Thorsten Glauber (FW) ran für einen Schnappschuss vor der Traumkulisse am Starnberger See.

Söder hat seine Minister vor der Sommerpause nicht wie an gewöhnlichen Dienstagen in die Staatskanzlei zusammengerufen, sondern zur gemeinsamen Schifffahrt auf Bayerns fünftgrößtem Gewässer. Neben der Bildmotive dürfte ihn die Symbolik dazu bewogen haben. „Bayern ist Wasserland Nummer eins in Deutschland“, eröffnet der Ministerpräsident. Und so solle es auch in Zeiten des Klimawandels bleiben.

Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, spürt man derzeit nicht nur in der Landeshauptstadt München, wo bei unnötigem Wasserverbrauch sogar Strafe droht. Das trockenste Frühjahr seit Beginn der Aufzeichnungen vor 145 Jahren. Von März bis Juni fiel in Südbayern nur 198 mm Niederschlag – so wenig wie noch nie. In Kitzingen gab es Ende Juni mit 40,8 Grad gleichzeitig einen neuen Hitzerekord für Bayern. Zwar ist die Wasserversorgung im Freistaat der Staatsregierung zufolge trotz der anhaltenden Trockenheit weiter gesichert. Doch 80 Prozent der Grundwasserspiegel seien gerade niedrig oder zu niedrig, sagt Söder.

Auffällig ist, wie oft Söder ausdrücklich auf den Klimawandel eingeht– ihn unter anderem als „Top-Thema für die Politik“ benennt. Dieser sei „da und er läuft“. Das Rad lasse sich „nicht einfach wieder zurückdrehen“. Es gebe bereits eine „neue Normalität“, in der es nun vor allem darauf ankomme, die Geschwindigkeit der Veränderung zu verlangsamen und sich auf die neuen Gegebenheiten einzustellen.

Söder will das unter anderem mit einer „Wasser-Strategie 2050“ tun. Einer der Kerninhalte ist dabei eine geplante „Megaleitung“ durch große Teile Bayerns. Auch verfolgt der Freistaat eine Schwamm-Strategie, um den natürlichen Wasserrückhalt in der Landschaft zu stärken, Hochwasserspitzen abzumildern und Trockenzeiten besser zu überstehen. Im Frühjahr 2025 wurden deshalb zehn Schwammregionen mit insgesamt 146 Gemeinden ausgewählt. Sie entwickeln demnach konkrete Maßnahmen – von Feuchtbiotopen und Wasserrückhaltestrukturen über Klimagärten bis hin zu interkommunalen Lösungen für den Gewässerunterhalt. „Der Regentropfen muss am Ende in den Boden einsickern“, bringt es Umweltminister Glauber auf den Punkt. Sonst fließe das kostbare Nass über die Flüsse in die Nordsee oder das Schwarze Meer.

Als Reaktion auf die häufigeren Hitzewellen will der Freistaat Klimaanlagen in öffentlichen Gebäuden stärker fördern. Man erhöhe die Förderfähigkeit für Klimaanlagen, beispielsweise in Krankenhäusern, in Pflegeeinrichtungen, Kitas und Schulen, sagte Söder. Die Landtags-Grünen betonten, das Geld müsse nun „zügig und unbürokratisch“ dort ankommen. Zudem kritisierte Fraktionschefin Katharina Schulze, dass das kommunale Förderprogramm für Klimaschutz und Klimaanpassung derzeit keine neuen Anträge annehme, ebenso die Holzbauförderung.SEBASTIAN HORSCH

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