Berlin – Die scheidende Präsidentin der UN-Generalversammlung, Annalena Baerbock, hat sich explizit für eine Nachfolgerin von UN-Generalsekretär António Guterres ausgesprochen. „Es ist Zeit für eine Frau“, sagte Baerbock der SZ. Bislang hatten ausschließlich Männer das Amt inne.
„Die Hälfte der Menschheit sind Frauen und Mädchen“, sagte Baerbock. „Wie möchte eine Institution, die acht Milliarden Menschen vertritt und seit 80 Jahren für Menschenrechte einsteht, erklären können, dass sie auch nach acht Jahrzehnten erneut keine Frau an ihrer Spitze finden kann?“
Als Präsidentin der Generalversammlung moderiert Baerbock den Prozess zur Nachfolge des Portugiesen Guterres, dessen Amtszeit im Dezember endet. Derzeit gibt es vier Bewerberinnen und drei Bewerber. Heute soll eine erste Probeabstimmung stattfinden, um ein Bild zu gewinnen, wer Chancen hat. Eine eigene Kandidatur schloss Baerbock aus: „Nein. Nach den ungeschriebenen Rotationsregeln ist Lateinamerika dran. Es gibt hervorragende Frauen aus dieser Region.“
Baerbock sprach auch über Anfeindungen gegen Frauen in Führungspositionen, wie sie sie erlebt hat. „Gut gelaunte Frauen in Machtpositionen sind für manche Männer weiterhin keine Selbstverständlichkeit, sondern offensichtlich der schlimmste Trigger“, sagte sie. „Wir sind aber mittlerweile zu viele. Und wir Frauen werden uns nicht dafür entschuldigen oder gar aufhören, selbstbewusst, erfolgreich und zugleich lebensfroh zu sein.“ Auf die Frage, welche Frauen ihr Türen geöffnet hätten, sagte Baerbock: „Ohne Angela Merkel als Kanzlerin wäre ich wahrscheinlich niemals erste weibliche Außenministerin geworden.“