Mit letzter Kraft aus dem Büro in den Urlaub robben: Arbeitnehmer kennen das Gefühl nur zu gut, das jetzt auch der Kanzler erlebt. Nach seiner verkorksten Kabinettsumbildung, eine Revolte in der Fraktion vorerst gedämpft, rettet sich Friedrich Merz in die Pause. Das waren keine guten Wochen.
Zwei Gründe fallen auf. Ja, Merz hat handwerkliche Fehler gemacht bei diesem durch Spahns Ablösung vorzeitig erzwungenen Umbau. Kandidaten zu spät gefragt, die Hoheit über den Zeitplan verloren, die Kommunikation verpatzt. Aber gravierend ist auch, dass in der Beobachtung der Politik krass übergewichtet auf Haltungsnoten geachtet wird. Was Merz macht, wird dann weniger beachtet, als wie er‘s macht. Stilfragen dominieren Sachfragen. Dann reicht‘s für einen Ex-Gesundheitsstaatssekretär bundesweit zur Schlagzeile, wenn er sich etwas heulsusig beschwert, nicht vom Kanzler, nur vom Minister entlassen worden zu sein. Ein neuer Kronzeuge fürs anschwellende Merz-kann‘s-nicht. Fußnote: Die große Gesundheitsreform, ein Inhalt, verschwindet derweil aus dem Fokus.
Diese beiden Fehlentwicklungen haben Merz weiter in einen Abwärtsstrudel gezogen. Vielleicht hilft die Sommerpause beim Luftholen. Merz hat ein runderneuertes Kabinett (sein gutes Recht als Chef), man kann sogar fragen, ob es weiterer Wechsel bedurft hätte. Woran er gemessen werden soll: Bekommt es sein Team hin, im Herbst die realen, nicht nur stilistischen Probleme anzugehen? Als da wären: riesiger Reformstau, Konzepte dagegen erst in Eckpunkten formuliert, Wirtschaftskrise mit Jobabbau und Strukturwandel, Bedrohung für innere/äußere Sicherheit, wunde Punkte bei der Migration. Kann er‘s? Dämpft er rechtzeitig den massiven Groll in der CDU? Offen. Merz muss besser werden. Seine Beobachter und Dauerkritiker aber auch.CHRISTIAN.DEUTSCHLAENDER@OVB.NET