Eskalation im Oval Office: Im Februar 2025 stellte Trump (r.) Selenskyj bloß. © AFP
München – Es ist erst ein paar Tage her, da saß Laura Loomer, stramm rechte US-Influencerin mit Millionen-Reichweite, im Garten des Kiewer Marienpalasts, vor ihr ein Glas Wasser, ein Notizbuch und Wolodymyr Selenskyj. In der Vergangenheit hatte die 33-Jährige den ukrainischen Präsidenten oft zum Teufel gewünscht, ihn als „Diktator“ beschimpft und behauptet, sein Land sei „voller Nazis“. Nun saß sie ihm also gegenüber – und entschuldigte sich.
Sie habe ein paar „ziemlich schlimme Dinge“ gesagt, erklärte Loomer und bat Selenskyj, zu erklären, warum US-Hilfe für Kiew auch Amerika nutzt. Im Anschluss, heißt es, soll sie US-Präsident Donald Trump angerufen haben. Der teilte später ein Video des Interviews in den Sozialen Medien und kommentierte knapp: „sehr gut.“
Lange galt Loomer als hocheffektive Kreml-Propagandistin, die Trump Moskaus Positionen einflüsterte. Ihr Sinneswandel, dramatisch inszeniert als Reise einer Reuigen, rüttelt Amerikas Rechte nun ordentlich durch. Dass er offenbar mit einem neuen Ukraine-Kurs im Weißen Haus zusammenfällt, ist zumindest auffällig. Manche glauben, Loomer fungiere als Eisbrecher, um die MAGA-Basis für Kiew zu erwärmen.
Washington und Kiew rücken näher zusammen. Dass es mal so kommen könnte, war lange undenkbar. Anderthalb Jahre ist es her, dass der damals gerade vereidigte Trump den ukrainischen Präsidenten im Oval Office vor laufenden Kameras demütigte. Damals schien die Befürchtung wahr zu werden, die USA könnten sich auf die Seite Russlands schlagen. Was für ein Kontrast zu Selenskyjs jüngstem Washington-Besuch in dieser Woche, der – ganz ohne Show – hinter verschlossenen Türen stattfand: Der Ukrainer zeigte sich hinterher zufrieden. Offenbar heimste er Produktions-Lizenzen für die wichtigen Patriot-Raketen ein.
Die Sache hat Gewicht. Trump, der sich lange von Kreml-Chef Wladimir Putin einseifen ließ, lässt auch mit anderen Entscheidungen eine neue Nähe zu Kiew erkennen. Vorübergehend ausgesetzte Öl-Sanktionen gegen Moskau sind seit einigen Wochen wieder in Kraft, bald könnten sie sogar noch verschärft werden. Der gerade verstorbene US-Senator Lindsey Graham, der als Freund Trumps und Kiews galt, hatte kurz vor seinem Tod eine Einigung im Kongress eingetütet.
Dass Trumps Herz plötzlich für Kiew schlagen würde, darf man aber bezweifeln. Beobachter glauben eher, dass er, der nichts so schätzt wie Stärke, sich mit der Ukraine auf der Gewinnerseite wähnt. Trump habe seine Meinung zu Putin und Russland nicht geändert, sagte der demokratische US-Senator Chris Coons dem Sender Channel 4. „Aber er mag es, auf der Gewinnerseite zu stehen.“ Der Republikaner sei von der militärischen Leistung der Ukrainer, ihrer Fähigkeit, Russland mit modernster Drohnentechnik in Bedrängnis zu bringen, sehr beeindruckt.MMÄ