Wie bitter für den geschassten Verkehrsminister: Kurz nachdem Patrick Schnieder seinen Posten räumen musste, vermeldet die Deutsche Bahn erstmals seit Jahren wieder einen Gewinn und ein erhöhtes Fahrgastaufkommen. So gute Nachrichten beim bundeseigenen Krisenkonzern sind noch seltener als ein pünktlicher ICE. Und es stellt sich rückblickend natürlich reflexhaft die Frage, ob der auswechselfreudige Friedrich Merz mit Schnieder wirklich den richtigen Mann vom Feld geholt hat.
Kommentar zum Wechsel im Verkehrsministerium
Schnieders Nachfolger hingegen kann sich über diesen Rückenwind zum Amtsstart freuen. Steffen Bilger, ab sofort der neue Verwalter von bröckelnden Brücken, maroden Schienennetzen und kaputten Straßen, wird jedoch nicht so unverschämt sein, sich die frohe Bahnkunde in irgendeiner Weise selbst ans Revers zu heften. Doch schädlich ist sie für ihn auch nicht.
Die Gründe für die Demission Schnieders sind weiterhin einigermaßen diffus. Vorgeworfen wurde ihm, dass er die Probleme auf Deutschlands Straßen und Schienen nicht schnell genug in den Griff bekommen habe. Doch die über Jahrzehnte angehäuften Versäumnisse innerhalb von wenigen Monaten aus dem Weg zu räumen, wäre wahrscheinlich nicht einmal einem Minister mit Superkräften möglich gewesen. Kräfte, die auch Bilger nicht hat. Auch seine dreijährige Erfahrung als parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsministerium wird dem Neuen hier nur bedingt weiterhelfen können.
Allerdings kann sich der im Autoland Baden-Württemberg aufgewachsene Steffen Bilger besser verkaufen als sein Vorgänger. Patrick Schnieders Ausstrahlung war stets blass. Wenn Bilger nun schnell und mit Sachverstand ein Konzept präsentiert, wie man diese 500 Milliarden Euro sinnstiftend ausgibt, wäre es ein großer Schritt in die richtige Richtung. Und würde dann auch die Rochade von Bundeskanzler Friedrich Merz auf diesem Posten plausibler machen, als sie bislang erscheint.