Das Pendel der Geschichte

von Redaktion

Obama wird 65

Angesichts des täglichen Irrsinns, der seit der Machtübernahme durch Donald Trump über den Ozean schwappt, kann dieser Geburtstag einen schon wehmütig machen: Barack Obama wird 65, und egal wie man inhaltlich zu den Leistungen dieses US-Präsidenten steht: Allein seine wortgewaltigen Reden, sein staatsmännisches und gleichzeitig lockeres Auftreten, kurz: seine präsidentielle Würde fehlen.

Geschichtswissenschaftler werden aber auch konstatieren, dass dieser erste schwarze Präsident das Erstarken eines weißen US-Rassismus ungewollt befördert hat – trotz aller Bemühungen Obamas, ein Präsident aller Amerikaner zu sein, was ja bei der schwarzen Community durchaus Enttäuschungen weckte. Donald Trump ist insofern auch eine Konsequenz der Präsidentschaft Obamas. Der Lauf der Geschichte ist ein Pendel – was immerhin die Hoffnung weckt, dass die US-Politik sich auch wieder vom Maga-Wahn wegbewegen wird.

Das Phänomen Obama zeigt, wie wichtig Charisma in der Politik ist – aber auch, dass der Mangel an begeisternden Persönlichkeiten mitverantwortlich für Demokratie-Verdrossenheit ist. Aber bei aller Obama-Nostalgie darf nicht vergessen werden, dass es schon dieser Präsident war, der den US-Fokus weg von der Nordatlantischen Allianz und Europa hin zum Pazifik und Asien verschoben hat. Und es war die Ära Obama, in der aufflog, dass die US-Geheimdienste auch befreundete Staatenlenker wie Angela Merkel bespitzeln. Dass Europa und die USA auch Rivalen sind, war also schon damals überdeutlich – führte aber nicht zu den notwendigen Konsequenzen, was etwa die militärische Selbstständigkeit der EU betrifft. Selbst wenn es nach Trump wieder einen verlässlicheren, den Europäern wohlgesinnteren US-Präsidenten geben sollte: Unser Verhältnis zu den USA wird nie mehr so werden, wie es nach dem Zweiten Weltkrieg war.KLAUS.RIMPEL@OVB.NET

Artikel 1 von 11