Paradebeispiel des nützlichen Idioten

von Redaktion

Trump setzt sich von Infantino ab

Zugegeben: So genau wissen wir nicht, wie Weltherrschende und Regierungschefs miteinander telefonieren. Ob sie die Handynummer vom anderen haben und einfach durchklingeln können – oder ob das nicht über diplomatische Kanäle, bisweilen auch Dolmetscher laufen muss und protokolliert wird. Aber die Vorstellung, wie das sein könnte, dass Donald Trump für Gianni Infantino einem Bericht der „New York Post“ zufolge nicht mehr zu erreichen ist, beschäftigt unsere Fantasie. Drückt er ihn weg, wenn „Johnny Soccer“ auf dem Display aufleuchtet, hat er die Nummer des Fifa-Präsidenten blockiert oder seine Leute angewiesen, den Typen abzuwimmeln? Egal, die Absetzbewegungen der amerikanischen Regierung sind deutlich, auch Außenminister Marco Rubio, die Ersatzanlaufstelle, will mit dem Mann aus dem Fußball wohl nichts mehr zu tun haben.

Die neueste Entwicklung erzählt viel über Gianni Infantino: Er ist so sehr in die Defensive gedrängt, dass er nach den großen und stärkeren Brüdern ruft – was für eine Hilf-, was für eine Profillosigkeit. Dass ihm von politischer Seite nun aber kein Beistand geleistet wird, lässt tief blicken in die Beziehung zwischen Regierungen und Sportorganisationen. Man weiß um deren Reichweite und nutzt sie, wenn sie dem eigenen Anliegen dienlich ist. Doch man lässt sie fallen, wenn sie ausgedient haben. Es herrscht(e) niemals Augenhöhe.

Gianni Infantino hat die Fifa als Co-Weltregierung definiert und sich selbst maßlos überhöht. Bei den Spielen der WM 2018 saß er zwischen den die Länder repräsentierenden Politikern auf einer Art Thron, 2022 in Katar inszenierte er sich quasi als zur Familie des Emirs gehörig. Schließlich im Vorfeld der WM 2026 die Anbiederung an Donald Trump: Aufrufe, dessen politisches Programm zu unterstützen, Verleihung eines Fantasie-Friedenspreises, Mitgliedschaft in Trumps Milliardärs-Club namens „Peace Board“, bei Auftritten im Nahost-Konflikt gab er den Sidekick des mächtigsten Manns der Welt. Und während des Turniers nahm die Fifa auf Zuruf eine Sperre für einen US-amerikanischen Stürmer zurück.

Infantino ist das Paradebeispiel des nützlichen Idioten. Mit jeder Aktion und mit jedem weiteren Tag, den er bleibt, beschädigt er sein Amt und seinen Verband.GUENTER.KLEIN@OVB.NET

Artikel 11 von 11