„Weil wir gegen Zensur sind“

von Redaktion

Dessau – Dieser Abend mit Dieter Hallervorden und Sven Schulze in Dessau ist gespickt mit Zumutungen gegen die CDU. Die größte kommt gleich am Anfang. Dieter Hallervorden, der Schauspieler, Kabarettist, Theaterintendant und bundesweit bekannte Starrkopf, kommt am Montagabend als Erster auf die Bühne im vollbesetzten Saal. Es ist der dritte Abend, den er gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze bestreitet, und man kann sagen, dass die ersten beiden schon gehörig für Aufsehen gesorgt haben.

Das liegt vor allem an dem Lied, dass Hallervorden gleich zu Beginn vorträgt – und den Videobildern, die er im Hintergrund abspielen lässt. „Kriegstüchtig sollen wir sein, wie vor 90 Jahren. Zur Hölle sollen die fahren, die das von uns verlangen“, singt er. Auf der Leinwand ist zunächst der Reichstag zu sehen, dann ein SA-Aufmarsch, dem eine kurze Sequenz von Verteidigungsminister Boris Pistorius beim Truppenbesuch und in Tarnkleidung folgt und sodann Kanzler Friedrich Merz beim Händeschütteln mit Bundeswehrsoldaten. Hallervorden betitelt Pistorius als Kriegsminister, das Video zeigt Bilder aus dem zerbombten Berlin. Es ist merkwürdig, dass diese fragwürdige Montage kaum Entrüstung hervorgerufen hat, wohl aber die Demo-Szene am Ende des Films, die ein Banner mit der Aufschrift „Stoppt den Völkermord in Gaza“ zeigt.

„SA-Aufmarsch und Kriegsminister“

Die neue CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hat sich deshalb von der Veranstaltung distanziert. Der „Bild“ sagte sie, dass es für die CDU klar sei, dass es keinen Völkermord in Gaza gebe, dass man an der Seite Israels und der Ukraine im Kampf gegen Terror und Aggression stehe.

Dieser Widerspruch reizt den 90-jährigen Hallervorden in Dessau, gegen Hoppermann auszuteilen. „Selbst wenn ich Pantomime machen würde, würde sie noch ein unzulässiges Wort entdecken“, sagt er unter dem Gelächter des Publikums. Natürlich werde man genauso weitermachen. „Sie haben nicht damit gerechnet, dass ein Ministerpräsident namens Sven Schulze so viel Rückgrat hat zu sagen: Wir lassen uns von denen aus Berlin nicht vorschreiben, wie wir in Sachsen-Anhalt Wahlen zu machen haben“, sagt der Kabarettist. Er dankt Schulze, der wenig später unter rhythmischen Applaus auf die Bühne kommt.

Ungefähr 600 Menschen sind an diesem Abend gekommen, fast durchweg Ehepaare oder Freundesgruppen im gehobenen Alter. Es sieht nach gehobenen Einkommensverhältnissen aus, nicht Wutbürger, die alles beklatschen, was gegen die da oben geht.

Schulze bleibt den ganzen Abend im Ungefähren. „Wir haben das Land vorangebracht, das lassen wir uns nicht schlechtreden“, sagt er, und dass die Tour de France 2029 Abstecher nach Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thüringen machen könnte. Ansonsten arbeitet er sich vor allem an der eigenen Partei ab. Die vergangenen sieben Tage seien nicht leicht für ihn gewesen, sagt Schulze. Da war natürlich die Kritik an seinen Auftritten mit Hallervorden. Daran halte er weiter fest, „weil ich gegen Zensur bin“. Vorsorglich bekräftigt er noch mal das Existenzrechts Israels, dem sich wiederum Hallervorden anschließt.CHRISTINE DANKBAR

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