Bedingt abwehrbereit

von Redaktion

Drohnenbombe in Leipzig

Unklar, ob es am Klimwandel liegt: Aber das Sommerloch ist auch nicht mehr, was es mal war. Inbesondere die Merz-Regierung kommt nicht zur Ruhe. Nun kriegt sie es nach einer Leihmutter-Affäre, Querschlägern aus den eigenen Reihen im Osten und schwelendem Renten-Ärger auch noch mit einer ganz handfesten Bedrohung zu tun. Es gibt zwar keine Verletzten, ja noch nicht mal einen größeren Schaden. Und doch legt der Drohnenvorfall am Leipziger Flughafen den Finger in eine schmerzhafte Wunde. Die brennende Frage nicht nur vieler Urlaubsreisender: Ist Deutschland überhaupt in der Lage, sich gegen solche Attacken zu schützen?

Klar, wer ein Drohnenabwehrzentrum wie das der bayerischen Polizei in Erding besucht, der bekommt einen Einblick in das, was schon möglich ist. Die Experten können Funkverbindungen kapern und die Steuerung feindlicher Geräte übernehmen, es gibt Jagddrohnen, mit denen man unerwünschte Eindringlinge in den Luftraum in Raubvogel-Manier angreifen kann, oder sogenannte Jammer, um Signale zu stören. Dass allerdings nichts davon in Leipzig zum Einsatz kam, zeigt das Kernproblem: Solche Attacken bahnen sich nicht lange an. Sie kommen völlig unerwartet, wie aus dem Nichts. Und wenn es nicht um einzelne Drohnen, sondern um ganze Schwärme geht, ist die Lage ohnehin eine ganz andere. In Leipzig waren es nach allem, was man weiß, nur zwei Geräte – und einzig der Zufall sowie das Eingreifen eines Einzelnen, der jetzt auch tot sein könnte, haben weit Schlimmeres verhindert.

Was also tun? Natürlich ist es richtig, das Sicherheitsnetz möglichst eng zu ziehen. In Systeme zu investieren, in Forschung – aber auch vom Wissen Verbündeter zu lernen. Insbesondere die Ukraine hat Erfahrungen mit Drohnangriffen wie kein anderes Land.

Klar ist aber auch, dass es nicht reicht, ausschließlich defensiv zu denken, solange man einmal laufende Attacken kaum noch aufhalten kann. Drohnen, aber auch der Cyber-Bereich, prägen schon heute maßgeblich die Konfliktführung. Deutschland und Europa müssen hier – auch offensiv – mithalten können. Nicht um selbst anzugreifen – sondern um zu verhindern, dass Angreifer, die keine Konsequenzen fürchten müssen, sich davon ermutigt sehen.SEBASTIAN.HORSCH@OVB.NET

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