„Ein Angriff auf Nato-Boden“

von Redaktion

Einsatz am Airport 2025: Ein Fahrzeug von Arx Robotics, auf das Anti-Drohnen-Technologie montiert werden kann.

Abfangdrohnen können per Netz Angriffe stoppen. © dpa

Nichtkinetisch: Ein Jammer stört die Funkverbindung.

Marc Wietfeld gründete Arx Robotics im Jahr 2022.

Einsatz in Leipzig: Ein Sprengroboter der Bundespolizei nähert sich den Drohnenresten auf dem Flughafen. © Schmidt/dpa

Nach dem Fund einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle hat der Generalbundesanwalt die Ermittlungen übernommen. Als Münchens Flughafen im Oktober 2025 von Drohnen angeflogen wurde, holten Bundeswehr, Airport und Politik eiligst Spezialisten herbei, um die Bedrohung zu orten. Arx Robotics, ein damals junges Startup aus Oberding, stand mitten in der Nacht bereit, CEO Marc Wietfeld war selbst dabei. Wietfeld, Jahrgang 1990, war selbst 14 Jahre bei der Bundeswehr, ehe er 2022 das Defense-Tech-Unternehmen gründete – das inzwischen auf einen Milliardenwert zusteuert. Wir sprechen mit ihm über die Bedrohung aus der Luft – und die Abwehr.

Drohnen mit Sprengladung über einem deutschen Airport: Erleben wir eine neue Dimension der Angriffe?

Ich sehe im Einsatz von Sprengstoff eine Eskalation. Das war aber zu erwarten und wurde schon länger getestet durch Überflüge über Flughäfen. Wir sollten das in der Rhetorik nicht runterspielen. Das war kein „Drohnenfund“, sondern ein Angriff auf kritische Infrastruktur auf Nato-Boden.

Sind wir inzwischen besser gegen Drohnen gerüstet, gerade an den Flughäfen?

Das Problem ist erkannt und anerkannt. Aber bisher wird zu langsam reagiert. Aus meiner Zeit beim Militär weiß ich: Zögerlich handeln ist auch eine Handlung…

…aber in diesem Fall die falsche?

Genau. Technologisch sind wir längst in der Lage, unsere kritische Infrastruktur besser gegen Drohnen zu schützen, stehen uns aber mit Regulatorik und langwierigen Abläufen selbst im Weg. Wenn wir resilient werden wollen, reicht das nicht. Bisher werden anfliegende Drohnen oft detektiert, aber es gibt in der Breite keine Schutzmechanismen. Nötig ist vor Ort eine schnelle Entscheidung, wie man die Drohne abwehrt – kinetisch oder nichtkinetisch. Dazu braucht es keine Wunderwaffe, keinen Wundersensor. Es braucht auch nicht an jedem Airport, jedem Kraftwerk, jedem Rüstungsunternehmen eine Flugabwehranlage Skyranger – sondern schnelles Handeln. Und Geräte, die sich der rasch wandelnden Drohnentechnologie dauernd anpassen.

Wie viel (Steuer-)Geld müssen wir dazu in die Hand nehmen?

Gute Frage, aber es geht nicht darum, viel Geld in die Hand zu nehmen, sondern schnell Geld in die Hand zu nehmen. Die gute alte deutsche Denkweise, mit ganz viel Geld und unseren Top-Ingenieuren drei Jahre lang eine neue Abwehrwaffe zu bauen, wird nicht funktionieren. Damit bekommen wir nach drei Jahren ein Gerät, das die Angriffstechnologien eben von vor drei Jahren abbildet. Das geht schief.

Brauchen wir Knowhow von ukrainischen Drohnen-Profis?

Wir haben drei, vier Unternehmen hier, die mit deutschen Ingenieuren und mit Anwendungs-Erfahrung aus der Ukraine genau das leisten können.

Sprechen Sie klar aus: Hinter solchen Attacken steckt Russland?

Die Vermutung, wer diese Angriffe orchestriert, liegt sehr nahe, aber es spielt keine Rolle. Bei der Drohnenabwehr zählt, dass wir unsere kritische Infrastruktur schützen, wer auch immer die bedroht.

Artikel 7 von 11