Nicht so tun, als wäre nichts geschehen

von Redaktion

Europa nach Ceuta

Das ging schnell: Schon nach einer halben Woche legt sich jede Aufregung über das Migrationsdrama in Ceuta. War was? Sind doch alle wieder zurück in Marokko, nächstes Thema bitte. Das ist sachlich falsch, politisch doof und angesichts dutzender ertrunkener Menschen zynisch.

Augenzeugen vor Ort in der Exklave schildern, dass noch tausende Migranten dort hausen und auf Weiterreise zum Festland hoffen, auch mit Schleuserhilfe. Fernziel einiger: Deutschland. Demnach hat Marokko primär eigene Staatsbürger zurückgenommen, die am Massenansturm beteiligt waren. Gleichzeitig brachte Spanien in unbekannter Zahl Jugendliche aufs Festland. Damit ist die schöne Hoffnung, eigentlich sei doch fast nix passiert, widerlegt. Das Signal von Ceuta ist nicht: Die EU-Außengrenze ist sicher. Sondern: Hunderte, vielleicht tausende, kommen schon durch, wenn Verzweiflung und Aufruhr groß genug sind.

Europa (und auch viele Medien) meinten, sie müssten sich entscheiden zwischen entweder Solidarität mit Spanien, das mit einem orchestrierten Ansturm aus Marokko angegriffen wurde – oder Kritik an der laxen Madrider Migrationspolitik. Dabei wäre beides nötig. Auch jetzt dürfen sich die EU und die Regierungen nicht einlullen lassen. Ceuta wird sich wiederholen, wo auch immer. Auf nationalen Grenzschutz ist kein hundertprozentiger Verlass, auf Abkommen mit Ländern wie Marokko auch nicht. Nötiger denn je: EU-weit organisierter harter Grenzschutz, Abschiebungen und wohl auch das Konzept der Returnhubs in Drittstaaten.

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