Schwenk nach links

von Redaktion

Der Mamdani aus Michigan: Abdul El-Sayed gilt als progressiver Linker bei den Demokraten. Können Leute wie er in den USA Wahlen gewinnen? © Julia Demaree Nikhinson/dpa

München – In der Sonne von Detroit strickt Abdul El-Sayed an seiner eigenen Legende. Er spricht vom Glück, als Kind ägyptischer Einwanderer in den USA aufgewachsen zu sein. Von seiner Vision für Amerika und der „Bewegung“, als deren Teil er sich sieht. Natürlich geht es auch um seinen republikanischen Rivalen Mike Rogers, den er einen „Feigling“ nennt. Und es geht um Geld. Die letzten Wochen hätten eines gezeigt: „Die Kraft von uns vielen ist größer als die Kraft ihres Geldes.“

Der 41-jährige Arzt gilt als Vertreter des linken, progressiven Flügels der US-Demokraten – und jetzt auch als Ärgernis des Partei-Establishments. Gerade hat er nämlich die internen Vorwahlen im US-Bundesstaat Michigan gewonnen. Knapp – und gegen große Widerstände. Prominente, mittige Parteigrößen unterstützten die moderate Konkurrentin Haley Stevens, die, auch dank der proisraelischen Organisation Aipac, mit Millionensummen Wahlkampf machte. Jenes Geld, von dem El-Sayed in Detroit spricht.

Bei den Zwischenwahlen im Herbst wird er nun ins Rennen um einen Senatssitz gehen. Es ist der nächste Erfolg für das progressive Lager der US-Demokraten. Dort ist man elektrisiert: Manche sehen in El-Sayeds Sieg ein Signal dafür, dass sich die Partei insgesamt nach links bewegen muss, wenn sie 2028 die Präsidentschaft zurückgewinnen will.

Der Richtungskampf bei den Demokraten tobt seit Monaten und hat auch damit zu tun, dass das Partei-Establishment bisher keine richtige Antwort auf Donald Trump gefunden hat. Dessen Beliebtheitswerte sind im Keller, die Demokraten profitieren trotzdem nicht. Spätestens seit dem Aufstieg des charismatischen Linken Zohran Mamdani zum Bürgermeister New Yorks gilt die Richtungsfrage als offen.

Zwar ist El-Sayed, anders als Mamdani, nicht Mitglied der Demokratischen Sozialisten (DSA). Zentrale Positionen teilt er trotzdem: starke Besteuerung von Superreichen, eine staatliche Krankenversicherung für alle, scharfe Regulierung von Großkonzernen. Bei moderaten Demokraten gelten besonders Ey-Sayeds Positionen zu Israel als giftig, nicht vermittelbar. Er spricht von einem Völkermord in Gaza, behauptete zuletzt, Israel sei unter Benjamin Netanjahu „blutdurstig“ geworden, und forderte die Einstellung von US-Hilfen. Das Thema war zentral in seinem Wahlkampf.

Die Kombination – links, anti-israelisch, muslimisch – sei etwas, „das die demokratische Partei beflügeln oder ruinieren kann“, sagte der Regensburger Politikwissenschaftler Stephan Bierling der „Tagesschau“. Nicht wenige in der Partei befürchten Letzteres. „Es ist tief beunruhigend, radikale, weit links stehende Kandidaten in potenziellen Swing States gewinnen zu sehen“, sagte Jonathan Cowan, Vorsitzender der moderaten Denkfabrik „Third Way“, der „New York Times“. Man bereite sich auf einen internen „Krieg“ mit den Parteilinken vor.

Tatsächlich birgt die Nominierung von Leuten wie El-Sayed enorme Risiken. Michigan ist einer der sieben US-Staaten, in denen mal Demokraten, mal Republikaner gewinnen. Der Sieg ist also keineswegs ausgemacht, aber Pflicht, wenn die Demokraten im November die Mehrheit im US-Senat zurückholen wollen. Moderate sagen, mit einem wie El-Sayed sei das nicht zu machen. Der Kandidat und seine Unterstützer sagen, die links-populistische Rhetorik könne Unzufriedene aus allen Lagern mobilisieren.

Für die Demokraten könnte der Richtungsstreit in den nächsten Monaten zur Zerreißprobe werden, für Trumps Republikaner ist er ein Geschenk. Schon jetzt drücken sie all jene Knöpfe, die die US-Wähler zuverlässig abschrecken, vor allem warnen sie vor der angeblichen Bedrohung durch einen aufziehenden Kommunismus. Mike Rogers, El-Sayeds republikanischer Gegner im November, erklärte trocken: „Die Demokratische Partei ist an die Extremisten verloren gegangen. Punkt.“

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