Drohnen: So wehrt sich Bayern

von Redaktion

Stört die Signale: Ministerpräsident Markus Söder (CSU) mit einem sogenannten Jammer. © Peter Kneffel/dpa

München – München, Nürnberg, Memmingen – von drei großen Verkehrsflughäfen aus starten täglich hunderte Flieger aus dem Freistaat. Nach dem verhinderten Drohnenanschlag auf dem Flughafen Leipzig/Halle kann sich in die Urlaubsfreude der vielen Reisenden allerdings auch Sorge mischen. Die Frage: Wie gut ist Bayern gegen ähnliche Attacken geschützt? Auch in München kam es bereits zu Sperrungen aufgrund von Drohnensichtungen.

Polizeidirektor Christian Wittstadt leitet das im Mai 2026 eröffnete Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum (DKAZ) der Bayerischen Polizei in Erding. „Die Sicherheitsbehörden bereiten sich seit einiger Zeit auf verschiedene Szenarien vor“, sagt er unserer Zeitung. Gerade an und um die Flughäfen seien die Einsatzkräfte speziell geschult und ausgestattet. „Die hierfür erforderlichen Kompetenzen befinden sich in technischer und personeller Hinsicht im steten Ausbau.“ Auch neue Techniken würden begutachtet und getestet. Trotzdem, so Wittstadt, werde ein „vollumfänglicher, hundertprozentiger Schutz natürlich nicht möglich sein“. Das gelte so allerdings auch für alle anderen Lebensbereiche.

Einen Angriff wie in Leipzig könne man „grundsätzlich natürlich verhindern“. Das sei eine Frage der Verfügbarkeit von Technik und hänge zweitens davon ab, ob eine Situation rechtzeitig erkannt werde. Da er die dortige Lage nicht im Detail kenne, will sich Wittstadt über den konkreten Fall kein Urteil bilden.

Drei Schritte seien in der Praxis entscheidend: Detektion (eine Drohne erkennen), Verifikation (sicherstellen, dass es wirklich eine Drohne ist) und Intervention (etwas dagegen unternehmen). Aufgespürt werden Drohnen in der Regel mithilfe technischer Mittel. Um die unerwünschten Besucher dann vom Himmel zu holen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Die Polizei kann die Funkverbindung kapern, über die die Drohne gesteuert wird. Drohnen, die nicht über Funk geführt werden, sondern etwa über ein Telefon, können mit speziellen Radarsystemen aufgespürt werden. Störsignale können eingesetzt werden, Fangnetze oder auch eigene Rammdrohnen.

Im Ernstfall muss das vor allem möglichst schnell gehen. „Das sind Situationen, die ad hoc passieren“, sagt Wittstadt. Umfangreiche Absprachen seien „erfahrungsgemäß nicht mehr möglich“. Der Polizist betont allerdings, dass seine Kollegen das auch aus anderen Einsätzen kennen und damit umzugehen wüssten. Auch wenn der erste Fall mit einer Sprengstoffdrohne in Deutschland „natürlich von einer ganz anderen Qualität sei“ als vorherige Sichtungen, habe sich die Polizei angesichts „der aktuellen weltpolitischen Lage“ schon vorher mit dieser Möglichkeit befasst. „Wir wissen sehr wohl, welche Gefahren von Drohnen ausgehen können.“ Schon bisher wäre deshalb Wittstadt zufolge kein bayerischer Polizist auf die Idee gekommen, ein solches Gerät mit der Hand oder dem Fuß unschädlich zu machen, wie es Berichten zufolge ein Flughafenmitarbeiter in Leipzig tat.

Ein Problem, das Wittstadt derzeit umtreibt, ist die Verfügbarkeit von technischen Mitteln. „Das heißt nicht, dass wir aktuell schlecht ausgestattet sind“, betont er. Mit Blick auf die Zukunft werde der Weg zur Beschaffung allerdings schwieriger. Die Polizei sei – anders als die Bundeswehr – an das normale Vergabeverfahren gebunden. „Mit den entsprechenden behördlichen Hürden.“

Im Vergleich zu militärischen Abnehmern benötige die Polizei zudem geringere Mengen – was schwierige Verhandlungen nach sich ziehen könne. In Angeboten werde teilweise davon ausgegangen, einzelne Systeme pro Auftrag in sechsstelligen Stückzahlen zu verkaufen. „Da tun wir uns natürlich schwer“, sagt Wittstadt. In ganz Bayern gibt es derzeit etwa 47.000 Polizeibeamte.

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