WIE ICH ES SEHE

In den Ferien mit Odysseus

von Redaktion

Wenn ein makelloser Feriensommer dahinfährt, denkt eigentlich niemand an Kino. Das wahre Kino in diesen Wochen spielt sich draußen ab, an den Stränden, den Seen und Bergen. Rechtzeitig zu Ferienbeginn im Juli ist nun aber ein neuer Film über den klügsten und schwer geprüften griechischen Helden Odysseus auch in Deutschland angelaufen. Der Regisseur und Drehbuchautor Christopher Nolan hat sich wahrlich bemüht, diese unvergängliche von Homer geschaffene Geschichte seiner jahrelangen Irrfahrten nach der Zerstörung von Troja zeitgemäß vorzustellen.

Der Film ist dafür das passende Medium. Denn er macht es möglich, nicht nur grässliche Ungeheuer, denen er begegnet, sondern auch besonders schöne Frauen ins Kinobild zu stellen. Viele Jahre hielten sie Odysseus zurück. Dabei galt immer seine einzige wahre Liebe seiner Ehefrau Penelope auf Ithaka.

Nach zehn Jahren endlich gelang es ihm, den Reizen der Kalypso zu entkommen. Die hätte ihn gerne als Mann behalten. Generationen pubertierender Schüler hatten ihre Freude, wenn sie im Griechisch-Unterricht übersetzen mussten, wie die Nymphe ihn „in schlüpfrige Höhlen zog mit dem Begehren, er möge ihr Mann werden“.

Nach Kalypso traf er die böse Zauberin Kirke. Die verwandelte als Erstes die wenigen verbliebenen Gefährten des Odysseus in Schweine. Wer will, mag sich dabei erinnern an Äußerungen moderner Feministinnen über die Natur der Männer. Nichts aber gleicht am Ende der Irrfahrten der Begegnung des geschundenen, entblößten Odysseus mit Nausikaa am Strand. Diese erotisch nicht gelebte zarte Beziehung mit der Tochter des Phäaken-Königs Alkinoos ist der Lohn für alle Leiden.

Aber auch Helena, der Tochter des Zeus, die den Kampf um Troja ausgelöst hat, begegnen wir in der Odyssee. Sie ist nun wieder in Sparta die Frau des Menelaos und sie erkennt dort den Sohn des Odysseus, Telemach. Homer beschreibt die Arme dieser schönsten Frau auf Erden als „leukolenos“ – makellos weiß. Und so schildert er auch die Arme der Hera, der Gattin von Zeus.

Nun – in den Ferien an den Badestränden sehen wir Männer schöne Arme. Aber einem Modetrend folgend, sind sie oft nicht makellos weiß, sondern tätowiert bis über die Schultern. Soll wohl sexy aussehen – aber haben wir uns wirklich so weit entfernt vom klassischen Schönheitsideal des weißen Armes? Ja und nein – denn zum Schock für alle Anhänger antiker Schönheit seit Winkelmann haben unsere Kunsthistoriker herausgefunden, dass die griechischen Skulpturen, die blendend weiß sind in unserer Vorstellung, ursprünglich bunt angemalt gewesen sein sollen wie die Götzen eines Indianerstammes. Da muss man doch mit mehr Nachsicht auf die tätowierten Arme der heutigen Strandschönen blicken. Sie sind ja nur einen Strandkorb weit entfernt, anders als die antiken Schönheiten, die nur im Odysseus-Film wieder makellos zu bewundern sind.

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