US-Demokraten in der Identitätskrise

von Redaktion

Vor den Zwischenwahlen im Herbst

Selbst beim rechten Sender Fox lobte man Abdul El-Sayed. Der sei eine „Macht“, weil er die „Maschine“ besiegt habe, sagte Moderator Jesse Waters. Gemeint war das demokratische Partei-Establishment, das sich mit viel Geld gegen den progressiven Senats-Kandidaten aus Michigan gestemmt hatte. Es nützte nichts, der Links-Populist gewann die internen Vorwahlen gegen eine Moderate. Spätestens jetzt steht die Frage im Raum: Verabschieden sich auch die Demokraten aus der Mitte?

Das wäre eine schlechte Nachricht, aber wundern müsste sich niemand. Fast zwei Jahre nach dem zweiten Wahlsieg Donald Trumps muss man festhalten: Die US-Demokraten haben bisher kein Mittel gegen den (in Umfragen rasend unbeliebten) Präsidenten gefunden. Nirgendwo ist der Ärger darüber so groß wie an der eigenen Basis, die laut mit dem Partei-Establishment hadert. Der Drang nach Erneuerung ist groß – jetzt kommt sie aus dem linken Flügel.

Tragisch daran: Die Identitätskrise der Demokraten birgt nicht nur Risiken für die Partei, sondern für das ganze Land. Ob progressive Kandidaten in den USA, wo eine Krankenversicherung für alle noch immer als sozialistisches Teufelszeug gilt, wirklich mehrheitsfähig sind? Das ausgerechnet bei den wichtigen Zwischenwahlen im Herbst auszutesten, ist jedenfalls extrem gewagt. Und selbst wenn: Künftig stünden sich dann zwei radikale Parteien gegenüber, ohne Verhandlungsraum in der Mitte. So kann Demokratie nicht funktionieren. Man kann nur hoffen, dass die Demokraten den Schuss gehört haben.

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