„Wir sind nicht vorbereitet“

von Redaktion

Ein neues Drohnen-Radar wird auf dem alten Tower am Flughafen Leipzig/Halle aufgebaut. Reicht das? © Schmidt/dpa

München/Leipzig – Nach und nach dämmert Polizei und Politik, was für ein Riesenglück man in Leipzig hatte. Die Sprengstoff-Drohne, die ein Busfahrer mit einem beherzten Fußtritt am Flughafen entschärfte, ist nicht explodiert. Der Semtex-Anschlag galt wohl einer ukrainischen Frachtmaschine. Nun kümmert man sich darum, künftig nicht mehr den Zufall über Attentate entscheiden zu lassen. Mit kleinen und großen Maßnahmen.

In Leipzig wird seit dem Wochenende aufgerüstet. Die Polizei hat, so beobachten Fotografen, ein EchoShield-Radarsystem auf der Besucherplattform des alten Towers installiert, das anfliegende Drohnen auf größere Distanzen erkennen und ihre Flugbahnen verfolgen kann. Weil am Airport Leipzig/Halle mehrere ukrainische Maschinen stationiert sind, wird hier die Gefahr eines erneuten Angriffs gesehen. Parallel dazu hat Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) versprochen, binnen zehn Tagen eine Forschungseinrichtung für Drohnensicherheit hochzuziehen. Sie soll Mitte August am Testflughafen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Cochstedt in Sachsen-Anhalt entstehen.

Gleichzeitig läuft eine größere Debatte, und das weltweit: Wer steckt hinter dem Angriff? Allgemein wird eine russische Beteiligung vermutet, die Bundesregierung hat das aber noch nicht klar ausgesprochen. Dobrindt äußerte sich in seinen Reaktionen sogar seit Tagen auffallend schwammig. „Das spürbare strategische Ziel fremder Mächte ist es, uns politisch und gesellschaftlich zu bezwingen. Verunsicherung, das Schüren von Ängsten, Destabilisierung sind Wesensmerkmal hybrider Attacken.“

Offenbar gibt es Restzweifel in Berlin, deshalb die vage Formel von den „fremden Mächten“. Für eine Beteiligung Moskaus spräche, dass Russland eine entwickelte Drohnentechnologie hat und unverhohlen mit einer Reaktion auf die Waffenlieferungen des Westens an die Ukraine gedroht hat. „Auf den ersten Blick spricht manches dafür, dass möglicherweise russische Geheimdienste verwickelt sind“, sagt der Russland- und Militär-Experte Matthias Uhl. Der russische Militärgeheimdienst GRU werde für eine Vielzahl an Operationen im Westen verantwortlich gemacht. Allerdings sei es für Russland schwierig, gegenwärtig eine solche Operation durchzuziehen, weil seine Agenten im Westen unter strenger Beobachtung stünden.

In Washington ist man da schon sicherer. Mehrere US-Medien haben Informationen, die in Richtung Russlands weisen. Das „Wall Street Journal“ und CNN zitieren einen US-Verteidigungsbeamten in Europa mit der Aussage, die USA seien zum Schluss gekommen, dass die Drohne von einem russischen Geheimdienst sei.

Ungewöhnlich: Auch im CSU-Umfeld legt man sich auf Russland fest. Die CSU-nahe Hanns-Seidel-Stiftung hat just am Wochenende eine Russland-Drohnen-Studie gemeinsam mit dem International Institute for Strategic Studies (IISS) in London vorgelegt. Man habe 144 Vorfälle seit August 2024 in zwölf Nato-Staaten sowie Irland untersucht. Eine direkte Zuordnung sei schwierig, sagt der neue Stiftungs-Chef Klaus Holetschek, aber „wahrscheinlich steckt Russland hinter einer koordinierten Kampagne in Europa“. Gestartet würden die Drohnen laut IISS meist von Schiffen der russischen Schattenflotte aus.

Die Stiftung und die Londoner Experten urteilen sehr harsch über die eigenen Regierungen und Behörden. „Es ist alarmierend: Europa ist auf diese Form hybrider Bedrohung bislang nicht ausreichend vorbereitet“, sagt Holetschek. Die Drohnen-Erkennung sei uneinheitlich, rechtliche Befugnisse seien fragmentiert und „Reaktionsmöglichkeiten häufig ungeeignet“.

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