Es ist schon ein bemerkenswerter Teufelskreis: Wegen des Klimawandels führen unsere Flüsse immer häufiger Niedrigwasser. Die Binnenschifffahrt kann deshalb weniger Waren transportieren. Die Industrie braucht ihre Lieferungen trotzdem. Also sollen mehr Lkw auf die Straße – auch am Sonntag.
Kurzfristig mag das notwendig sein. Niemandem ist geholfen, wenn Rohstoffe fehlen oder Lieferketten ins Stocken geraten. Doch langfristig verschärft sich damit das Problem, das uns in diese Lage gebracht hat. Mehr Lkw bedeuten mehr Verkehr und CO₂-Ausstoß. – und damit mehr Klimawandel. Das politische Versäumnis besteht darin, dass die Probleme seit Jahren bekannt sind, ohne dass ausreichend Alternativen geschaffen wurden. Schon die Niedrigwasserjahre 2018 und 2022 haben gezeigt, wie anfällig der Güterverkehr auf den Wasserstraßen ist. Trotzdem wird noch immer so getan, als wäre dies ein plötzliches Ereignis.
Die Debatte ums Sonntagsfahrverbot zeigt ein weiteres Dilemma. Wenn Lkw in einem Land fahren dürfen, in anderen aber nicht, hilft das nur begrenzt. Warenströme enden nicht an Landesgrenzen. Der Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen zeigt, wie schwer sich die Politik tut.
Ausnahmeregelungen allein reichen nicht. Wenn Wasserstraßen zunehmend ausfallen, braucht es verlässliche Alternativen: Mehr Güter müssen auf die Schiene – nicht nur in den großen Industriezentren. Auch in den Regionen brauchen wir Güterterminals, Multimodal-Hubs und bessere Möglichkeiten, zwischen Straße, Schiene und Wasser zu wechseln. Das kostet Geld und wird nicht von heute auf morgen funktionieren. Aber was ist die Alternative? Bei jedem Niedrigwasser mehr Lkw auf die Straße zu schicken? Das wäre keine langfristige Verkehrspolitik. Das wäre Aktionismus im Kreisverkehr: Man fährt viel, kommt aber nicht voran.