KOMMENTAR

Wenn Nacktsein auf einmal exotisch ist

von Redaktion

Weniger FKK

In den 80er-Jahren wurde das Nacktsein im Englischen Garten besungen, und heutzutage diskutieren wir immer noch, ob sich Frauen in öffentlichen Bädern auch oben ohne sonnen dürfen. Vielleicht ist die neue Prüderie ein anschaulicher Beweis für die Rocksaumtheorie aus den 20er-Jahren: Je größer der wirtschaftliche Aufschwung, desto kürzer die Röcke. Und in Deutschland sieht es mit dem Wirtschaftswachstum gerade nun mal nicht so rosig aus…

Vermutlich ist es aber eher die Folge einer Gesellschaft, die sich zunehmend in digitale Sphären flüchtet. Nacktheit ist auf einmal nichts Grundnatürliches mehr, sondern wird übersexualisiert und etwa mit Nacktführungen durch Museen als geradezu exotisch inszeniert. Sogar Hollywood verabschiedet sich von harmlosen unbekleideten Szenen.

Das mag dem Zeitgeist entsprechen. Doch: Je schambehafteter eine Gesellschaft ist, desto mehr findet im Verborgenen statt. Pornoplattformen boomen. Gerade, wenn Kinder und Jugendliche erstmals mit Nacktheit im Netz in Berührung kommen, ist das ungefiltert und in einem nahezu unkontrollierten Raum. Dabei wird jungen Menschen ein komplett falsches Bild vermittelt – sowohl von Schönheitsidealen als auch von Sexualität.

Der Freikörperkult setzt dagegen Akzente der Normalität und Selbstbestimmung und ist nebenbei ein ganz eigenes Symbol von Freiheit.

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