Bomben auf Teheran, die Straße von Hormus ist blockiert. Irrwitzige Zölle. Ein neuer Friedensrat. Attacken auf Nato-Partner. Die Ukraine im Stich gelassen. Die rigorose Jagd der Einwanderungsbehörde ICE auf Migranten. Angesichts der Unberechenbarkeit, mit der US-Präsident Donald Trump die Welt verunsichert und in Atem hält, ist das Desaster um ein Wasserbecken eine Petitesse. Aber der Blick auf die gescheiterte Renovierung auf der Prachtmeile in Washington lohnt sich – darin wird in nuce, in knapper Form, das Wesen dieser Präsidentschaft sichtbar.
Was ist passiert? Zum 250. Unabhängigkeitstag sollte der Lincoln Memorial Reflecting Pool im dunklen Blau der US-Flagge erstrahlen. Das 600 Meter lange, 50 Meter breite Becken, Kulisse für Martin Luther Kings „I have a dream“-Rede, wurde trockengelegt, der Boden blau gestrichen. Kosten laut US-Medien: umgerechnet über zwölf Millionen Euro. Ein Geschäftspartner des Ex-Immobilienmaklers Trump kam zum Zug. Ohne Ausschreibung.
Als sich bald erneut Algen ausbreiteten, die Farbe sich löste und das Wasser grünlich schimmerte, machte Trump „schändlichen Vandalismus“ verantwortlich. Der 67-jährige Ex-Olympiakanute David Hearn wurde wegen böswilliger Beschädigung festgenommen, als er abgeplatze Farbe herausgriff, ihm drohten zehn Jahre Haft. Auch bei einer Tierärztin, die Müll herausfischte, klickten die Handschellen.
Bezirksstaatsanwältin Jeanine Pirro stellte nun die Ermittlungen gegen diese laut Trump „schrecklichen Vandalen“ ein und machte gravierende Baumängel geltend – woraufhin er seine langjährige Vertraute zornig an den Pranger stellte.
Die bizarre Story ist mehr als eine Posse. Sie taugt zum Sinnbild. Schuld sind bei Trump immer die anderen, Belege braucht es nicht. Die Lüge ist Prinzip. Verlangt ist unbedingte Loyalität. Wer ausschert, wird verstoßen. Gewaltenteilung? Stört nur. Die Justiz ist nicht unabhängig, sondern Erfüllungsgehilfe. Kumpanei und Gier sind zentrale Werte. Nach Gutdünken gestaltet Trump auch Washington um. Den Ostflügel am Weißen Haus hat er für einen Ballsaal abreißen lassen, ein Triumphbogen soll entstehen. Im Schwimmbadblau wollte er sich wohl spiegeln wie Narziss. Die Selbstherrlichkeit des Möchtegern-Königs ist grenzenlos.