Berlin – Sandra Maischberger kehrte in dieser Woche aus der ARD-Sommerpause zurück und mehr als eine Million Menschen sahen einen alten Bekannten wieder: Armin Laschet. Der frühere CDU-Vorsitzende ist weder selbst Kanzler noch unter Friedrich Merz Außenminister geworden. Auch für das Amt des Bundespräsidenten wurde der 65-Jährige zwar gehandelt, ist aber schon lange nicht mehr dafür im Gespräch. Nur als tollpatschige Figur im neuesten Roman von Bestseller-Autor David Safier, ein Agent namens 00-Laschet, ist der CDU-Politiker Hausherr im Schloss Bellevue. Gefragt ist Laschet dennoch, denn er analysiert die politische Lage klug und sagt vernünftige Dinge.
In der ersten Reihe des Politikbetriebs sitzt Laschet nicht, aber ämterlos ist er nicht. Beim Talk in der ARD ging es um Europas Sicherheit und Laschet war eingeladen als Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses. Dessen Beratungsthemen sind bedeutsam und hochsensibel. So beraten seine 42 Mitglieder unter anderem federführend, ob die Bundesregierung deutsche Soldaten zu Auslandseinsätzen entsenden darf.
Doch natürlich nutzte Maischberger die Gelegenheit, um den früheren Ministerpräsidenten von NRW zur Lage der schwarz-roten Koalition und den Gerüchten über einen möglichen Kanzlersturz im Herbst zu fragen. Die Umfragewerte für die Union sind schlecht, die Zustimmungswerte für Merz miserabel. Zuletzt musste der Kanzler heftige Kritik aus der eigenen Partei einstecken.
Mit seiner rheinischen Art versuchte Laschet zunächst, das Problem kleinzureden. „Unmut gab es bei jedem Kanzler einmal“, sagte er. Doch der erfahrene Politiker weiß sehr wohl, dass die Lage ernst ist. So hinterließ er eine deutliche Warnung. „Die Frage ist: Folgt aus diesen Wortmeldungen ein Kanzlersturz? Das sehe ich nicht, und ich würde auch niemandem dazu raten.“
Laschet steht öffentlich loyal zu Merz, auch wenn sie beide 2021 um den CDU-Vorsitz stritten. Beide kommen aus demselben Landesverband. 2018 machte der NRW-Ministerpräsident Laschet den Sauerländer Merz zum Beauftragten für die Folgen des Brexit und die transatlantischen Beziehungen. Damals lobte Laschet Merz als „erfahrene, gut vernetzte und durchsetzungsstarke Persönlichkeit mit ausgeprägter politischer Expertise“.
Doch auch Laschet ist nicht entgangen, dass sich Merz als Kanzler schwer tut. Er argumentiert mit äußeren Umständen. „Wer Merz aus dem Amt haben will, muss einen anderen bieten und dafür eine Mehrheit im Bundestag haben. Das sehe ich überhaupt nicht. Insofern denke ich, dass der Kanzler in einer starken Position ist.“ Diese Sicht der Dinge ist bemerkenswert, gilt doch ausgerechnet Laschets Nachfolger in Düsseldorf als Kandidat beim Kanzlerwechsel: Hendrik Wüst.
Doch Laschet ist klug genug, um nicht mitzumachen bei den – so das Kanzleramt – „wüsten Spekulationen“. Er hält sie sogar für gefährlich. Die Frage bei den Landtagswahlen sei nicht so sehr Kanzler oder CDU, so Laschet, sondern ob eine rechtspopulistische Partei erstmals die absolute Mehrheit bekommt. „Dann wird das die gesamte Bundesrepublik aufrütteln. Auch die CDU-Führung, auch die SPD-Führung. Alle, die Verantwortung tragen, werden dann gefordert sein, zu reagieren..“ ALEXANDER SCHÄFER