Vorbei die Zeiten, als Donald Trump Kim Jong-un als „kleinen Raketenmann“ schmähte – und der nordkoreanische Diktator den US-Präsidenten als „ängstlichen Hund“ beleidigte: Trump und Kim haben sich jetzt wieder ganz doll lieb, fast so wie im Juni 2019, als Trump als erster US-Präsident überhaupt Nordkorea besuchte. Damals hat Trump nichts erreicht, sein Diktatoren-Freund treibt seither das nordkoreanische Atomprogramm weiter voran und schickt tausende von Soldaten an Russlands Seite in den Ukraine-Krieg. Und trotzdem scheint der US-Präsident überzeugt zu sein, dass es weiterhin Sinn macht, den Nordkoreaner zu umgarnen. Trump tut in Asien das, was er in Europa schon erfolgreich erledigt hat: Er zertrümmert die seit dem Zweiten Weltkrieg gültigen Bündnisse, er zerstört die Gewissheit, dass sich die Partner auf Washingtons Hilfe im Ernstfall verlassen können. Trumps Brüskierung Südkoreas trifft ja nicht nur Seoul, sondern auch Taiwan, Japan oder die Philippinen. Strategisch ist die Botschaft, die Trump da aussendet, brandgefährlich. Er signalisiert Nordkorea und China freie Bahn. Was Trump damit bezweckt, lässt sich nur erahnen: Da ist einerseits die offene Bewunderung für „starke Männer“ – was im Umkehrschluss seine Verachtung für Demokratien entlarvt. Und da sind die US-Geheimdiensthinweise, dass Nordkorea längst die Atombombe hat. So gesehen lag Kim mit dem „ängstlichen Hund“ gar nicht so falsch…KLAUS.RIMPEL@OVB.NET