Linke Wahlkampfhilfe für die AfD

von Redaktion

Ärger für den „Spiegel“

Es gab mal eine Zeit, da bebte die Republik, wenn der „Spiegel“, das „Sturmgeschütz der Demokratie“, losdonnerte. Dieses Wochenende sollte es wieder so weit sein, doch nach der Titelstory über Ulrich Siegmund, den angeblich „gefährlichsten Mann Deutschlands“, hallten nur ein paar Lachsalven durchs Land. Denn bei der für alle schwierigen Gratwanderung über den richtigen Umgang mit der AfD sind die Hamburger Meinungsmacher leider abgerutscht. Was Deutschlands härteste Investigativjournalisten als Beleg für ihr Urteil über den sachsen-anhaltinischen AfD-Spitzenkandidaten lieferten, war recht dünn. Dass er schon in der Schule ein Mädchenschwarm war und heute noch die Wähler um den Finger wickle, dass aber (leider nicht konkret benannte) rechte Mächte hinter ihm stünden. Weil er wohl merkte, dass der Schuss nach hinten losging, legte der Spiegel-Chef tags darauf noch mal nach: Siegmund sei „freundlich und gewinnend“, stehe aber für das Böse.

Vielleicht hätten die „Spiegel“-Leute mal ihre Münchner SZ-Kollegen nach ihren Erfahrungen nach deren Enthüllungen über Hubert Aiwanger fragen sollen. Die sollten den Freie-Wähler-Chef kurz vor der Bayernwahl erledigen und machten ihn stattdessen zum großen Gewinner. Wiederholt sich das „Jetzt erst recht“-Spiel im Osten? So vergnügt, wie man Siegmund am Sonntag „Spiegel“-Hefte signieren sah, ist das zu befürchten. Auf Ratschläge aus Hamburg haben sie in Sachsen-Anhalt gerade noch gewartet. Linken-Fuchs Dietmar Bartsch beklagt die „AfD-Wahlkampfhilfe“.

Stimmt: Die CDU hat in Sven Schulze einen schwachen Spitzenkandidaten und die AfD in Sahra Wagenknecht eine willige Vollstreckerin. Doch nichts hilft der AfD mehr als ihr Opfernarrativ. Ziemlich sicher liegen die Hamburger Kollegen mit ihrer Warnung, dass Siegmund das freundliche Gesicht einer sehr unfreundlichen Partei ist, richtig. Mit ihrer Putin-Nähe, der Verachtung für Europa und ihrem ausgrenzenden Menschenbild wird die AfD das Land nicht nach vorn bringen, auch wenn sie damit den Geschmack vieler ostdeutscher Wähler trifft. Doch ist Dämonisierung das falsche Rezept. Sie hat, das muss sich unsere Branche selbstkritisch eingestehen, die AfD mit zu der Scheinriesin gemacht, die sie heute leider ist.GEORG.ANASTASIADIS@OVB.NET

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