Ein Leben im Rampenlicht: Das Ehepaar Clinton im April 2024. Bill Clinton hatte immer wieder Skandale, wie seine Affäre mit Monica Lewinsky (re.) und seine Beziehung zum Ehepaar Epstein (kleines Bild unten). © dpa (2)/Imago
Washington – In Washington richteten sich die Scheinwerfer vor Kurzem plötzlich wieder auf Bill Clinton. Der frühere US-Präsident, der von 1993 bis 2001 regierte, machte eine eidesstattliche Aussage vor einem Kontrollausschuss des US-Parlaments – eine Sensation. Das Thema war ein unangenehmes: Der Skandal um den New Yorker Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hatte neben vielen Prominenten und Einflussreichen auch den Demokraten erfasst. Wird Clinton, der heute 80 Jahre alt wird, den Fall Epstein hinter sich lassen können?
Als das Ausmaß des Skandals um Multimillionär Epstein, der über Jahre einen Missbrauchsring betrieben hatte, immer größer wurde, zeigte vor allem einer mit dem Finger oft auf Clinton: Donald Trump. Womöglich wollte der Amtsinhaber aber mit dem Fingerzeig von sich selbst ablenken. Clinton bestreitet seit Jahren jegliches Fehlverhalten im Kontext seiner Bekanntschaft zu Epstein. Auch von dessen Verbrechen will der Demokrat nichts gewusst haben.
Clintons politisches Leben ist begleitet von Gerüchten, Scharmützeln, Anwürfen, Intrigen und Skandalen. Er stolperte und stand wieder auf. Selbst ein Amtsenthebungsverfahren im US-Kongress konnte ihm nichts anhaben. Er gab sich selbst mal den Spitznamen „Comeback-Kid“ – also jemand, der sich immer wieder zurückkämpft.
Die „Washington Post“ schrieb mal, dass das Ehepaar Clinton jahrzehntelange kritische Beobachtung und zahlreiche Verschwörungstheorien überstanden habe. „Oft sind es ihre Gegner, die am Ende den Kürzeren ziehen.“ Clinton spricht in seinem autobiografischen Buch „Citizen“ von „Angriffen unter der Gürtellinie“, mit denen sich seine Familie auskenne und die sie verletzt hätten.
Bekanntester Skandal rund um die Clintons ist der Fall Monica Lewinsky. Beinahe hätte dieser den damaligen Präsidenten zu Fall gebracht: Lewinsky war in den 1990er-Jahren Praktikantin im Weißen Haus. Clinton stritt eine sexuelle Beziehung ab – erst nach und nach rückte er mit der Wahrheit raus. In einer Fernsehansprache gab er im Sommer 1998 schließlich zu, eine Beziehung zu Lewinsky gehabt zu haben, „die nicht angemessen war“. Das Amtsenthebungsverfahren im Parlament ging am Ende für Clinton glimpflich aus.
Seine Frau Hillary wandte sich während seiner gesamten Laufbahn nie von ihm ab. Mehr noch: Die Clintons gelten bis heute als Power-Paar der Demokraten, später ging auch Hillary in die Politik. Bill Clinton war 46 Jahre alt, als er ins Weiße Haus einzog. Er setzte sich bei der Wahl 1992 gegen den damals amtierenden Präsidenten George H. W. Bush von den Republikanern durch – der Vater von George W. Bush, der wiederum Clinton nach dessen zwei Amtszeiten ablöste. Kurios: Bush Jr., Clinton und Trump sind nun alle 80 Jahre alt.
Geboren wurde Clinton als William Jefferson Blythe III im südlichen US-Bundesstaat Arkansas, wo er später viele Jahre Gouverneur war. Seinen Vater lernte er nie kennen, er starb nach einem Verkehrsunfall vor der Geburt seines Sohnes. In der Highschool-Zeit nahm er den Nachnamen seines Stiefvaters Roger Clinton an. Bill lernte Hillary an der Uni kennen, beide brannten für Politik. Sie heirateten in den 1970er-Jahren, ihre einzige Tochter heißt Chelsea.
Jurist Clinton zog seine zwei Amtszeiten durch. Er wies trotz einer gescheiterten Gesundheitsreform Erfolge vor: Die amerikanische Wirtschaft florierte in der Clinton-Ära. Der Demokrat schaffte es, ein riesiges Haushaltsdefizit in einen Haushaltsüberschuss zu verwandeln. Laut Wissenschaftler Russell L. Riley von der Universität Virginia wird die Clinton-Präsidentschaft vor allem wegen des Wirtschaftsbooms gelobt. 1993 habe es eine starke Haushaltsdisziplin gegeben. „Diese Maßnahmen trugen dazu bei, eine Phase großen Vertrauens an den Finanzmärkten einzuleiten.“ Heute sind die USA hoch verschuldet.
Trotz aller Skandale hatte Clinton zum Ende seiner Präsidentschaft hohe Zustimmungswerte in der Bevölkerung. Anders als der heutige Präsident.